Irène Schweizer : Das Üben einfach mal lassen

Von Ulrich Stock

Die Pianistin Irène Schweizer hat den Jazz in der Schweiz heimisch gemacht und jungen Musikern den Weg ins Freie gezeigt. Nun wird sie 75 – und hört zu, wenn der Nachwuchs spielt. Ein Besuch bei der Pionierin, Feministin und Weltbürgerin zu Haus in Zürich

Um ihr zu gratulieren, wäre es etwas früh, denn 75 wird Irène Schweizer erst am 2. Juni. Aber die Wucht der Zahl ist mit jedem Tag mehr zu spüren. Kann ich, der ich diese grandiose Pianistin über 35 Jahre hinweg zigmal im Konzert erlebt habe, überhaupt noch ein kleines Porträt über sie schreiben? Oder muss das jetzt die große Würdigung werden, mit aller lähmenden Wucht?

Irène, hilf!

Irène hilft, indem sie einfach weiterspielt. Wie eh und je sitzt sie ernst, oft geradezu streng vor der Tastatur des Flügels, wenn sie ihre Miniaturen entwirft. Es sind Stücke von wenigen Minuten, die im Jazz wurzeln, viele Stile touchieren und in jeder Sekunde ihr Eigenes sind. Intuition, Zufall und Komplexität balanciert sie aus mit Rhythmus, Wärme und Witz. Immer wieder verblüffend ist ihre Gabe, plötzlichen Einfällen Form zu geben. Ihre Improvisationen verzetteln sich nie; sie sind von kristalliner Schärfe. Wie das, was man manchmal in den Alpen sieht beim Wandern: Mineralisches, beiläufig hingeschlagen, faszinierend glitzernd, von höherem Willen organisiert. Schweizer Berge! Sie hat das Land sogar im Namen.

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