Nachtstudio: Die Chimären des Denkens

Zur Philosophie der Maschine
Von Martin Burckhardt

Was ist eine Maschine? In unserem Alltagsverständnis haben wir sofort ein Ungetüm vor dem Auge, das unter ohrenbetäubendem Lärm irgendwelche Dinge ausspuckt: Vierkantschlüssel, Fertigpizzen oder Geldscheine. Nun trägt dieses Bild beinahe nostalgische Züge. Denn seit einem halben Jahrhundert erleben wir, dass sich unsere Maschinen zu Steuereinheiten, Bedienoberflächen und digitalen Programmen auflösen. Jedoch bedeutet das Unkenntlichwerden keineswegs das Ende des Maschinenzeitalters, im Gegenteil. Denn seit Craig Venter ein synthetisches Bakterium vorstellte, eine software driven machine, hat sich die Maschine jener Sphäre bemächtigt, die stets als ihr Gegenpol figurierte: das Lebens. Folglich besteht das höchste Ziel der Wissenschaft nicht mehr darin, der Maschine das Leben, sondern umgekehrt: dem Leben die digitale Logik einzuhauchen. Dies aber macht die Frage, was wir uns unter einer Maschine vorzustellen haben, umso dringlicher. Martin Burckhardts Essay, der von der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs ausgeht (mechane, d.h. „Betrug an der Natur“), führt uns in jene mythische Zeit zurück, da die Maschine in das Denken Europas einschlug: in jenes geistige Labyrinth, dem die Wunschgebilde der Philosophie, der Mathematik und der Naturwissenschaft entsprungen sind.

© Bayern2, Nachtstudio, 9.12.2015,Martin Burckhardt 

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