„Oh, wie ist das gruselig“ Neue Musik vom Ensemble LUX:NM

Rot glänzt das Blut auf der Nagelschere: Das Berliner Ensemble LUX:NM erforscht böse Welten und düsteren Klang mit dem Album „Dark Lux“. Von Sophie Beha.

So klingen musikalische Abgründe: Eine tonlose Stimme rezitiert „D wie Doppelehe, E wie Exhibitionismus, F wie Freiheitsberaubung …“ Das Abc wird von einem Beat aus Samples begleitet: fetzenhaftes Schnarren, Knarzen, Klirren, Keuchen. Die gruseligen Geräusche mahlen langsam in Dauerschleife. „Das Abc der Straftaten“ ist Teil des neuen Albums von LUX:NM, einem zeitgenössischen Musikensemble mit internationalem Renommee.

Gegründet haben es 2010 die Saxofonistin Ruth Velten und die Akkordeonistin Silke Lange, beide sind auch die künstlerischen Leiterinnen der Gruppe. Ihr Ansatz: vielseitige und selbstbestimmte Kammermusik mit einer klanglich flexiblen Besetzung. Die Mitglieder komponieren, improvisieren, interpretieren und kuratieren, sie entwickeln ihre eigenen dramaturgischen Konzepte und szenischen Ideen. Jetzt ist daraus das Album „Dark Lux“ entstanden – Horrormusiken in Ersteinspielung! Denn die 22 kurzen Stücke widmen sich der Welt der Abgründe: Es geht um Hohngelächter, bedrohliche Klangcollagen, düstere Farben und Schauder.



Das Ensemble hat dafür die Hörspielautorin Sarah Trilsch, den Komponisten Gordon Kampe und den Sounddesigner Jan Brauer (Teil des elektronischen Trios Brandt Brauer Frick) beauftragt, gemeinsam Werke über das Böse zu komponieren. Die Miniaturen sind Grusel mit Augenzwinkern. Sie strotzen nicht vor gähnender Schwärze und Düsternis, sondern lassen auch Licht zum Vorschein kommen. Das ist bei der Besetzung auch nicht verwunderlich – gerade Gordon Kampe ist berühmt für seine humorvollen Kompositionen.




© TAZ, Kultur, Musik, 23.7.2021

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