Zeit Online: „Stadionrock für geschlossene Hallen“ Foo Fighters & Kings of Leon

Gleich zwei Masseneuphoriebands bringen ausgerechnet jetzt ihre neuen Alben heraus. Haben die Foo Fighters und Kings of Leon ein Rezept gegen Pandemiekummer? Eine Rezension von Daniel Gerhardt

Dave Grohl weiß, wie man sich fühlen muss als Schönwetterfan auf der Haupttribüne des Stadions. Als der Songwriter, Sänger und Gitarrist der Foo Fighters nach einem Bühnenunfall in Göteborg vor fünfeinhalb Jahren mit gebrochenem Bein im Krankenhaus landete, blieben ihm zwei Optionen. Lange Rehapause und abgesagte Konzerte oder ein maßgeschneidertes Möbelstück, das ihm erlauben würde, den Großteil seiner verbliebenen Liveverpflichtungen im Sitzen zu erfüllen. Natürlich humpelte Grohl durch Tor B: Vier Wochen nach seinem Unfall saß er in Washington wieder auf der Bühne. Nicht in irgendeinem Sessel, sondern auf einem Thron mit eingebauter Gipsbeinhalterung, eigener Lichtshow und Stellplätzen für ein Dutzend E-Gitarren.

Nächsten Monat dürften ihn dort Kings of Leon ablösen, die Band der Followill-Brüder und -Cousins aus Nashville in Tennessee, die in den vergangenen 20 Jahren ihre eigene Stadionrock-Sparte bespaßt hat. Mit Lederjacken, Kruzifixketten und stabilem Restalkohollevel erfüllte sie die Nebenkategorien einer klassischen Rock-’n’-Roll-Inszenierung. Je größer die Arenen um diese Inszenierung herum wurden, desto trantütiger wurde jedoch auch die Musik der Kings of Leon. Der große Gefühlstaumel, den die Band vor allem mit ihren inzwischen 13 Jahre alten Songs Sex on Fire und Use Somebody auslöste, fühlte sich für abseits Stehende seltsam erzwungen an. 

„Medicine at Midnight“ von Foo Fighters ist erschienen bei RCA/Sony. „When You See Yourself“ von Kings of Leon erscheint am 5. März bei RCA/Sony.

© Zeit Online, Kultur, Musik, 5.2.2021

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