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NMZ: „Die Fackel der Erinnerung“ Mieczysław Weinberg zum 100. Geburtstag / Von Christoph Schlüren

September 1939. Unzählige polnische Flüchtlinge, darunter viele Juden, versuchten über die sowjetische Grenze dem Terror der deutschen Einheiten zu entkommen, noch nicht wirklich begreifend, dass sich der Feind auch auf der anderen Seite, wenngleich weniger entschlossen und konsequent, befand.

Der in Warschau aufgewachsene, noch nicht 20-jährige jüdische Komponist Mieczysław Weinberg (1919–1996) war alleine weitergeflohen, als seine Schwester wunde Füße bekommen hatte, und war bereits Zeuge schrecklicher Geschehnisse geworden. Dass die Nationalsozialisten seine ganze Familie auslöschten, sollte er erst viele Jahrzehnte später mit Gewissheit erfahren.

Nun stand er also vor einem sowjetischen Grenzschützer, der ihn fragte: „Nachname?“ – „Weinberg.“ – „Vorname?“ – „Mieczys­ław.“ – „Mieczysław? Was heißt das? Sind Sie Jude?“ – „Ja, ich bin Jude.“ – „Dann heißen Sie Moisei.“ – „Moisei, Abram, wie immer Sie wollen, wenn ich nur sowjetischen Boden betreten darf.“ Und als er bekannter wurde, spielte man – in angelsächsischer Alliteration – forthin Werke von Moisei Vainberg, einem jener Sowjetkomponisten aus dem legendären Kreis um Schostakowitsch, die von Kennern schon seit Jahrzehnten als Geheimtipp gehandelt werden, im Falle Weinbergs dank des schwedischen Musikologen Per Skans …

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© NMZ, 12, 2019

https://youtu.be/HkG-3OLNIUM

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