Musiktipps

Michael Engelbrecht: „Seltsames Schwanken zwischen Musik und Bedeutung“ – die Klanghorizonte vom 21. Dezember 01.05 Uhr DLF

Mein Jahresrückblick ist den ersten zwei Stunden vorbehalten. Alles beginnt mit einem Stück namens „Muriel Spark“, und Mark Nelson aka Pan American ist wohl in vergangenen Jahren gerne in die Bücher der schottischen Schriftstellerin eingetaucht.

“Being in love is something like poetry. Certainly, you can analyze and expound its various senses and intentions, but there is always something left over, mysteriously hovering between music and meaning.” Muriel Spark

Soweit Muriel Spark, und das jetzt nicht mehr so geheime Motto der fünf Stunden. Zuviel von meinen Lieblingen 2019 sei nicht verraten, aber manchmal sagt eine Sequenz mehr aus als 100 Worte: ohne, dass ich zwischendurch meinen Senf dazu gebe, erklingen am Stück Stücke von Thom Yorke, Lumen Drones, Leonard Cohen und Joe Lovano.

In der dritten Stunde werden Sie zwei gut vergrabene Schätze kennenlernen, die Manfred Eicher einst produzierte, mit Jan Erik Kongshaug an seiner Seite. Es dreht sich in der Themenstunde alles um die zwei Alben von Tamia und Pierre Favre, „De La Nuit … Le Jour“ und „Solitudes“ – und um meine Erinnerungen an einen Abend in Paris im Dezember 1991.

Dann zwei Stunden voller Zeitreisen, die manche Erinnerungen mit sich bringen – diese Nachtwache dient allerdings weniger nostalgischen Bedürfnissen, als der Lust an veränderten Bewusstseinszuständen. Die Hauptrollen spielen, fünfundfünfzig Minuten lang, das beste Album des Mahavishnu Orchestra, zwei weniger bekannte Tranceinduktionen von Terry Riley, und ein berauschendes Werk von Pharoah Sanders.

Die finale Zeitreise spielt sich in der Stunde zwischen fünf und sechs Uhr morgens ab. Zuerst folgen wir einem Altsaxofonisten, der bei John Coltranes Free Jazz-Ritual „Ascension“, mithalf, die Studiowände ins Wanken zu bringen, und Jahre später den Beweis antrat, dass „smooth jazz“ und „deep music“ kein Widersprüch sein müssen. Wie folgen anschliessend fünf Zeitreisenden in eine Kirche nach Bellissona, und lauschen John Coltranes einziger Filmmusik.

Draussen wird es noch stockdunkel sein, wenn die Radionacht ausklingt mit Sounds aus dem venezuelanischem Dschungel, elektronischen Gerätschaften der späten Achtziger Jahre, und, nach Tamia und Pierre Favre, einem weiteren Beispiel dafür, wie man einer Stimme unerhörte Räume öffnen kann. „Sometimes the ‘simplest’ kind of music cuts the deepest.“ Zeit für ein Abenteuer?

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