VAN: „Ich streame, also bin Ich“ Die digitale Aufmerksamkeitsökonomie in Zeiten von Social Distancing. Von Hartmut Welscher
Die Redaktionen der abendlichen Nachrichtensendungen sind derzeit sichtbar bemüht, die kontaktgesperrte Quarantäne-Gemeinschaft mit einer ermutigenden Nachricht in die Nacht zu entlassen: die Nachbarn, die der 90-jährigen Jubilarin einen Kuchen für die Tür stellen, singende Menschen von Balkonen, solidarische Nachbarschaftshilfen, kristallklare Gewässer in Venedig … neben all der Frontberichtsrhetorik, den düsteren Szenarien, Zahlen und steigenden Kurven gibt es auch Momente der Zuversicht und der trotzigen Widerständigkeit der Menschlichkeit.
Auch die Klassik-Streamings, die dieser Tage aus dem Neuland Internet sprießen (oder gestampft werden), lassen viele Sendungen auf einer erbaulichen Note enden. Geisterkonzerte aus dem Konzerthaus oder Hauskonzerte aus Musiker:innenwohnzimmern sind Angebote, die den Lagerkoller erträglicher machen können. Gleichzeitig verbreiten sie im Ausnahmezustand ein Stück Normalität: Nicht alles stirbt, the show must go on….
© VAN, 25.3.2020
Aktuelle Live Streaming Angebote und mehr !