Musiktipps

Michael Wollny „Ich tue zu wenig für meine Hände“

Der Pianist Michael Wollny ist der Popstar unter den Jazzmusikern – spätestens seit seinem Album „Nachtfahrten“. Im Interview spricht er über den Ruhm und die Parallelen zwischen Liebe und Musik.

Ein Interview von  und

ZEITmagazin: Herr Wollny, hat sich der Weltklang verändert?

Michael Wollny holt sein Smartphone aus der Jackentasche, zeigt uns ein Video. Man sieht einen weitgehend leeren Raum, vor allem aber hört man einen Raum, ein monotones Brummen.

So klingt es gerade in meiner ganz persönlichen Welt. Ein Wasserschaden, der Raumtrockner. Ein Horror, nicht nur akustisch.

ZEITmagazin: Rein akustisch: War Weihnachten nicht wieder der reine Horror?

Wollny: Na ja, es ist schon so, dass mich das jedes Jahr wieder berührt, wahrscheinlich auch wegen meiner Familie, man hört alles auch durch die Ohren des Kindes. Und auf der anderen Seite berührt Weihnachtsmusik ganz alte Erinnerungen, die wahrscheinlich nie vergehen.

ZEITmagazin: Können Sie Kitsch, auch musikalischen, einfach großartig finden?

Wollny: Ja! Vielleicht ist das auch die Antwort auf die Weihnachtsfrage. Kitsch, das hat wahnsinnig viel mit eigenen Erfahrungen zu tun, mit meiner Laune oder meiner Stimmung.

ZEITmagazin: Kann Kitsch auch jazzfähig sein?

Wollny: Ich würde fast sagen, jazzfähig ist alles, was den jeweiligen Musiker animiert, ihm eine Idee gibt, damit umzugehen. Das kann vom Great American Songbook über Ligeti bis zu Britney Spears und den größten Pophits der Neunziger alles Mögliche sein – Letzteres beispielsweise mit dem Subtext „die Musik meiner Jugend“. Diedrich Diederichsen hat mal so schön beklagt, in der heutigen Musik würden leider immer wieder die gleichen bürgerlichen Entwicklungsromane erzählt. Da ist bestimmt was dran. Andererseits ist es ja nicht zwangsläufig langweilig, wenn man über etwas improvisiert, was einen zu einer bestimmten Zeit einmal umgeben hat. Durch die Zusammenstellung, die Abfolge von Titeln, auch durch den Titel eines Albums schafft man eine Umgebung für den Klang, bettet ihn ein, auch in Biografisches….

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© ZEITMAGAZIN NR. 8/2017

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