Pogo hinter Stacheldraht „too much future“ Punkrock GDR 1980 – 1989
Subversiv Viel konnte man schon lesen über den Punk in der DDR. Nun kann man ihn endlich (wieder) hören. Von Ronald Galenza
Beim Barte von Karl Marx, war das alles öde, langweilig und verlogen. Soviel Leere, Enttäuschung, Bitternis und Lähmung. So wenig Güte. Die verplanten Biografien legten sich wie Bleiwesten um die jungen Seelen. Eine weitere Form der Repression war die lähmende Langeweile. Wer in der DDR etwas über Punk erfahren wollte, musste selbst Punk sein oder schräge Freunde haben. Oder bei der Staatssicherheit arbeiten. Punk und Sozialismus? Eine Subkultur in der Diktatur der Arbeiter und Angepassten, das sollte nicht gut gehen.

Nun liegt erstmals eine kundige Sammlung des Untergrund-Punks der DDR vor: Too much future. Seit 2005, anfangs noch mit Michael Boehlke, haben Henryk Gericke und Maik Reichenbach diese intensive Sisyphusarbeit auf sich genommen. Drei Schallplatten und ein dickes Booklet sind das Ergebnis. Ja, ein Ereignis. Man kann die Vergangenheit nicht mit den moralischen und politischen Maßstäben von heute messen. Zeit und politische Strukturen waren andere in der Republik ohne Hoffnung. Erinnerung ist oft ein untreuer Geselle.
© Der Freitag, Kultur, Ausgabe 38/2020