„Also, ich weiß nicht, ob Ihre Leser das so im Detail interessiert“ Daniel Miller und Gareth Jones im Interview mit Jens Balzer
Daniel Miller und Gareth Jones sind Pioniere des elektronischen Pop, heute musizieren sie als Duo. Ein Nerdgespräch über Geräte, Sounds – und die Arbeit mit Depeche Mode.
Daniel Miller und Gareth Jones musizieren schon seit Ende der Siebzigerjahre mit Synthesizern und – später – Samplern. Miller, 1951 in London geboren, gründete 1978 mit The Normal die erste Elektro-Punk-Band und im Jahr darauf mit Mute Records das Label, das bis heute prägend für den elektronischen Pop ist; berühmt wurde es durch die Veröffentlichung der Musik von Depeche Mode. Gareth Jones, 1954 in Nordengland geboren, produzierte mit „Construction Time Again“ und „Some Great Reward“ jene beiden Depeche-Mode-Alben, auf denen sich die Band musikalisch verwandelte. Vierzig Jahre später kehren Miller und Jones nun zu ihren Wurzeln zurück. Als Duo mit dem Namen Sunroof improvisieren sie auf analogen Synthesizern, zu hören auf dem gerade erschienenen Album „Electronic Music Improvisations Vol. 1“ (Mute Records).
ZEIT ONLINE: Meine Herren, die Lage ist ja folgendermaßen: Die elektronischen Produktionsmittel sind heute so weit entwickelt, dass man mit geringen Mitteln jeden nur denkbaren Sound erzeugen kann. Wie kommt man angesichts dessen auf die Idee, ein ganzes Album mit alten analogen Modularsynthesizern aufzunehmen, also mit Instrumenten, die enorm kompliziert in der Bedienung sind? Weil man die Beschränkung braucht, um sich entfalten zu können?
Daniel Miller: Eine sehr gute Frage, vor allem, weil die Antwort darin schon enthalten ist. Also: ja.
Gareth Jones: Ich finde die Frage nur fast gut, denn wir arbeiten gar nicht mit alten Synthesizern …
Miller: Richtig, das sind sehr moderne Geräte der Marke Eurorack, die werden immer noch und gerade jetzt wieder gebaut.
© Zeit Online, Kultur, 2.6.2021