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„Zeit fürs Steinewerfen – Zeit fürs Steinesammeln“ Der israelische Filmemacher Amos Gitai und sein zerrissenes Land

Amos Gitai wurde 1950 in Haifa geboren. Sein Vater, der Bauhaus-Schüler Munio Weinraub, war vor den Nazis nach Palästina geflüchtet. Der Sohn gilt heute als eine zentrale Figur des israelischen Kinos. Sein Werk umfasst Dokumentar- aber auch Spielfilme, in denen es immer wieder um die Grundkonflikte seiner Heimat geht.

Von Heike Brunkhorst und Roman Herzog

Israels Gesellschaft und Politik sind seit Jahren durch einen militanten Rechtsextremismus geprägt. Seine Ziele: ein Großisrael und eine vollständige Vertreibung der Palästinenser. Dafür greifen Siedler und religiöse Fundamentalisten immer häufiger zu extremer Gewalt. Kaum wahrgenommen wird im Ausland, wie tief zerrissen das Land ist. Nicht nur für Palästinenser, auch für kritisch denkende Juden scheint kein Platz mehr und bleibt allein die Diaspora. Denn Liberale werden in Israel öffentlich bekämpft. Warum diese Gewalt? Das ist die Frage des Filmemacher Amos Gitai. Seine Arbeiten und seine Familiengeschichte spiegeln dabei die geschichtliche Entwicklung des Landes und zeigen eine tiefe Verbundenheit und Zerrissenheit. Zwischen Diaspora und Eretz Israel lebt er ein Nomadendasein und findet immer wieder Anknüpfungspunkte in der Bibel, etwa im Buch Kohelet: „Für alles gibt es eine Zeit, eine Zeit fürs Steine werfen und eine Zeit fürs Steine sammeln“.

 

© WDR 3, Kulturfeature, 14.10.2017

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