Studio Neue Musik: Mit Angelleine und Pferdehaaren – John Cages Music for Three
John Cages Music for Three (1984-87) bietet fast unendlich viele Optionen. Es ist ein Kompendium von insgesamt 17 Partien, für eine Vokalstimme und 16 Instrumente, die alleine oder in allen erdenklichen Kombinationen ausgeführt werden können. Von Harry Vogt.
Nicht nur die Musik, auch der Titel ändert sich je nach Zahl der Beteiligten: Music for One bis Music for Severteen. Im Falle unserer Neuaufnahme heißt das Ergebnis: Music for Three. Die drei Musiker*innen spielen in der von Brahms begründeten Besetzung des Horntrios, dessen Repertoire hier auf unerwartete Weise erweitert wird.
Cage lässt vieles offen. Es gibt keine Partitur. Das Zusammenspiel wird vor allem durch das Prinzip der Time Brackets geregelt, das die Einsätze flexibel vorgibt. Den Ausführenden lässt Cage ansonsten allerlei Freiheiten zur Gestaltung. Auch die, einzelne Töne oder Teile zu wiederholen oder ganz wegzulassen. Auch die Freiheit, das Stück, das maximal 29 Minuten dauert, zu kürzen.
Eine Besonderheit findet sich im Klavierpart: Die Saiten sind mit Angelleine oder Pferdehaar zu streichen – im schnellen Wechsel mit normal, auf Tasten zu spielenden Aktionen, was einige Geschicklichkeit erfordert. Auch das garantiert, dass jede Version anders klingt.
Zu den fast philosophischen Mirakeln dieser Musik gehört: Auch wenn Cage weitgehend auf Kontrolle verzichtet, offenlässt, was wann passiert, so klingt diese Musik, egal wie man sie spielt, doch immer. Vor allem nach Cage: Wenn man sich auch als Hörer darauf einlässt, mitunter sehr an- und aufregend.
John Cage:
Music for Three, Version für Violine, Horn und Klavier; Přemysl Vojta, Horn; Ye Wu, Violine; Florence Millet, Klavier
© WDR 3, Studio Neue Musik, 10.10.2021