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Michael Finnissy: „The History of Photography in Sound“ Von Ian Pace und Thorsten Preuß

Es ist ein gigantisches Stück Klaviermusik, schon von den Dimensionen her: Elf Teile. Fünfeinhalb Stunden. Und die voll unendlich komplizierten Rhythmen, zahllosen Anspielungen und Zitaten, einem Universum von Bedeutungsebenen.

„The History of Photography in Sound“ heißt das Magnum Opus von Michael Finnissy, und schon die paradoxe Titelformulierung weist darauf hin, dass der britische Komponist, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag feiert, nicht immer den einfachsten, sondern gern auch mal einen verschlungenen Weg wählt. Sieben Jahre, von 1995 bis 2002, hat Finnissy an diesem Klavierzyklus gearbeitet. Er hat dabei gesellschaftliche, philosophische, ästhetische und politische Themen aufgegriffen, über Kolonialismus, Filmtheorie oder Homosexualität reflektiert, zugleich den Fundus der westlichen Musikgeschichte von Bach über Sullivan bis Ives ebenso verarbeitet wie amerikanische Spirituals oder traditionelle afrikanische Musik. Und doch hat Finnissy ein Werk von hohem Abstraktionsgrad geschaffen, ein Stück absoluter Musik, das seinen eigenen Gesetzen gehorcht. Der Pianist Ian Pace, unerschrockener Spezialist für knifflige Partituren, hat den Mammutzyklus vor 20 Jahren in London uraufgeführt und kennt das Werk wie kein Zweiter.



© BR Klassik, Horizonte, 9.11.2021

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