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„Traumhaft schön“ Eine Lange Nacht der „fernen Geliebten“

Die ferne Geliebte hat viele Gesichter. Sie ist traumhaft schön, aber nur ein Traum. Sie ist Wunsch- und Trugbild, manchmal auch aus Fleisch und Blut. Aus wirklichen Geliebten werden ferne Geliebte, aus Gründen, die so vielschichtig sind wie das Leben.

Von Egbert Hiller

Die Lange Nacht der fernen Geliebten begibt sich auf die Suche nach ihr und ihren Geheimnissen. Finden oder gar festhalten können wir sie nicht, aber ihre Spuren verfolgen – durch Zeiten und Räume, quer durch die Kulturgeschichte.

Weit entrückt, in der Sphäre des Mythos wollte Orpheus das Unmögliche wirklich machen und seine Geliebte aus dem Totenreich zurückholen. Die Metamorphosen des Ovid und Claudio Monteverdis Oper ‚Orfeo‘ erzählen uns die herzergreifende Geschichte, wie dies am Ende doch misslingt.

Besonders fruchtbar im Hinblick auf die ferne Geliebte ist das Zeitalter der Romantik. Hier wurde sie zur Projektionsfläche verborgener Ängste und Hoffnungen. In Franz Schuberts „Winterreise“ spiegelt sich dieses Moment auf höchst kunstvolle Weise wider. Aber auch im mittelalterlichen Minnesang, in moderner Literatur und im Film, etwa in Wolfgang Herrndorfs Roman „Tschick“ , in Haruki Murakamis „Gefährliche Geliebte“ und Clint Eastwods Film „Die Brücken am Fluss“ , war die ferne Geliebte präsent. In diesen und vielen weiteren Beispielen, von der Antike bis zur Gegenwart, taucht sie in der Langen Nacht der fernen Geliebten auf und entschwindet wieder. Immer steht am Ende die bittere wie inspirierende Erkenntnis: „Nun ist wahr, dass sie für immer geht.“

 

 

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© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 23.12.2017

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2 Kommentare zu „„Traumhaft schön“ Eine Lange Nacht der „fernen Geliebten“

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