Gitarren-Exzentriker Marc Ribot mit funkigem Soul-Jazz zu Gast in Österreich
Mit dem Hammondorgel-Virtuosen Greg Lewis und Drummer Joe Dyson tritt der New Yorker im steirischen Greith-Haus und im Porgy & Bess in Wien auf. Karl Gedlicka im Gespräch mit Mark Ribot.
Immer wieder stachelt Marc Ribot seine beiden jungen Mitmusiker an Hammondorgel und Drums zu frenetischen Passagen an. Der Bandleader und Gitarrist weiß aber auch bei seinem jüngsten, funkigem Soul-Jazz verpflichteten Projekt The Jazz-Bins genau, wann Sparsamkeit angesagt ist. Spannung entlädt sich beim Auftritt im norditalienischen Novara nicht nur, wenn sich das Trio zur Ekstase hochschraubt. Es gibt auch Applaus und Zwischenrufe für Orgeltöne in tiefen Registern, für lässige Grooves, über denen auf der Gitarre sparsam gesetzte Soul-Licks maximale Wirkung entfalten.
Von ähnlichen Wechselwirkungen zwischen Musik und Publikum erzählt Ribot vor dem Konzert im Gespräch, als er sich an den Chitlin’ Circuit, an seine Anfänge in den so titulierten kleinen Jazz- und R-’n‘-B-Clubs der afroamerikanischen Bevölkerung erinnert. Bevor er mit seinem kantig-unberechenbaren Gitarrenspiel in den 1980er-Jahren zur Fixgröße der New Yorker Downtown-Szene und zum gefragten Sideman von Tom Waits bis John Zorn wurde, verdiente er sich im Chitlin’ Circuit seine ersten Sporen als Berufsmusiker: „Es gab dort ein Publikum, das mehr über Jazz wusste als jedes andere Publikum, das ich je gesehen hatte. Sie ließen dich wissen, wenn du etwas falsch machst – aber auch, wenn du die Dinge auf die Reihe bekommen hast.“
© DerStandard, Kultur, 22.4.2023