„Die Zukunft ist gecancelt“ Die Musikessays von Simon Reynolds in „Futuromania“
Reynolds untersucht im Buch „Futuromania“ die Zukunftsträume elektronischer Musik. Oder besser: was von ihnen übrig ist. Die Aussichten sind trüb. Von Uwe Schütte.
Zukunftsmusik. Eigentlich eine Idee von Richard Wagner. Es reicht nicht aus, so der durchaus umstrittene Bayreuther Komponist, wenn Musik nur zeitgenössisch klingt. Vielmehr solle sie sich selbst und ihrer Zeit voraus sein. Die Aufgabe eines Komponisten bestehe daher darin, aus der Zukunft jene ästhetischen Formen abzuschöpfen, die in der Gegenwart im Keim bereits vorhanden sind, aber noch nicht hörbar gemacht wurden. Und wie das geht, führte Wagner vor in Form seiner wuchtigen Opern.
Das war um 1870. Hundert Jahre später stand die Zukunftsmusik wieder auf dem Programm, diesmal bei der Popmusik. Zwischenzeitlich war eine Wundermaschine erfunden worden, ein rechteckiger Kasten, mit dem man unerhörte Klänge wie aus der Zukunft bereits im Hier und Jetzt erzeugen konnte: der Synthesizer.
© TAZ, Kultur, 10.8.2023