John Zorns Masada „Ein Klangozean aus Vitalität und Schönheit“
Radical Jewish Music: Aufnahmen von John Zorns Masada-Bandprojekt aus den 1990ern sind erstmals in einem Boxset gesammelt. Von Benjamin Moldenhauer.
Ein Meer aus Saxofon- und Trompetenläufen, ein Schlagzeug, das nicht nur Struktur und Takt produziert, sondern auf eine schwer greifbare Weise auch Melodien. Und ein Bass, der alles zusammenhält und immer weiter antreibt. John Zorn und seine Band, Dave Douglas (Trompete), Greg Cohen (Bass) und Joey Baron (Schlagzeug) verbinden Melodien, die entlang der Ahava-Rabboh-Skala geschrieben sind. Ein Modus, der struktur- und melodiebildend für einen großen Teil der jüdischen Musiktradition ist, von liturgischen Gesängen bis Klezmer, mit einem am Ornette Coleman Quartet geschulten intuitiven Zusammenspiel.
Die zehn Alben, die John Zorn, der New Yorker Komponist und Saxofonist von 1994 bis 1998 mit seinem Quartett Masada veröffentlicht hat, gehören zum Lebendigsten, was im US-amerikanischen Jazz kurz vor der Jahrtausendwende zu hören war. Ihre Vitalität und eine schlichte Schönheit sind das nach wie vor Durchschlagende an Zorns Musik, noch vor aller diskursiver Aufladung.
© TAZ, Kultur, 10.1.2024