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Hans-Joachim Roedelius zum 90: Der unbekannte Gigant der deutschen Popmusik

Von Philipp Krohn (FAZ). Was für eine Karriere: Hans-Joachim Roedelius erlebte den Nationalsozialismus und die DDR, wurde Krautrocker sowie Pionier der Elektromusik und beeinflusste viele andere Musiker. Nun wird er neunzig.

Hans-Joachim Roedelius ist der unbekannte Gigant der deutschen Popmusik. Nicht gemessen an den verkauften Schallplatten, sondern an der Wirkung, die er auf die elektronische Musik hatte. Er kollaborierte mit einem Pionier wie Brian Eno, der sich ihn wiederum als Vorbild nahm, und einem Rocker wie Lloyd Cole. Die Red Hot Chili Peppers beriefen sich auf ihn, David Bowie und die Einstürzenden Neubauten hörten ihm genau zu, und wer seit den neunziger Jahren moderne Ambient- und Elektromusiker wie Autechre, Four Tet, The Orb oder Mouse on Mars rezipiert, wird da auch immer ein bisschen von seinen Bands Cluster und Harmonia spüren.

Dabei war Roedelius der unwahrscheinlichste aller Krautrocker. 1934 einige Jahre vor seinen Mitstreitern geboren, hatte er schon eine wahnwitzige deutsch-deutsche Geschichte aus drei Regimen hinter sich, als er sich 1967 in West-Berlin entschied, dauerhaft von der Heil- zur Tonkunst zu wechseln. Sein Vater war Zahnarzt und kam darüber vor dem Krieg von Berlin in die Lausitz. Der Kinderstar in UFA-Filmen hatte zwar schon erste Auftritte, aber Hitlers Jungvolk noch vor sich.



© FAZ, Feuilleton, 26.10.2024

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