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Zeit Online: Kahil El’Zabar „Etwas Rätselhaftes ergreift Besitz von ihm“

Jonathan Fischer (Zeit Online). Seit 50 Jahren prägt Kahil El’Zabar den Spiritual-Jazz. Nun haben auch heutige Jazz-Hipster und Hip-Hop-Fans den Schlagzeuger aus Chicago für sich entdeckt. Ein Treffen.

Alles an dem Mann strahlt Eleganz aus. Coolness. Eine Mischung aus Verwegenheit und Stil, die eher an die Cover klassischer Soul- und R-’n‘-B-Alben von Motown Records erinnert als an Spiritual- und Free-Jazz. Man kann sich Kahil El’Zabar, einen athletischen Typen mit Stetson, gepflegtem Schnauzer und eleganten Retrohemden, als Model vorstellen – bis man ihn in der Münchner Unterfahrt erlebt, einem dieser verschwitzten Jazzkeller, die der 71-jährige seit einem halben Jahrhundert als Schlagzeuger und Perkussionist bespielt. 



Kastagnetten bindet er sich dafür um die Knöchel, nimmt seine Waschbecken-große Rahmentrommel in die Hand, schlägt einen Beat. Und plötzlich fällt alle Zurückhaltung von ihm ab, ergreift etwas Rätselhaftes von ihm Besitz. Während die junge Begleitband El’Zabars, die aktuelle Version des Ethnic Heritage Ensemble, seinem polyrhythmischen Groove folgt, ihn melodisch untermalt und kontrapunktiert, lässt sich der Bandleader unter lustvollem Grunzen Richtung Trance treiben: „Open me, open me …“ singt er, schreit er, flüstert er. Ist das noch ein Konzert oder schon eine Séance?




© Zeit Online, Kultur, 28.11.2024

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