Die Radiotipps für den 25.1.2025
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Lange Nacht
„Erzählen vom Unaussprechlichen“ Eine Lange Nacht über die Schriftsteller Primo Levi und Jean Améry
Von Christoph David Piorkowski Regie: Vera Teichmann (Wdh. v. 02.04.2022)
Nicht mehr lange, dann werden die letzten Zeugen des Holocaust für immer verstummt sein. In einer Zeit, da die Shoah von verschiedenen Seiten her relativiert wird, kommt dem Genre der Lagerliteratur eine besondere Bedeutung zu. Viele Überlebende haben von Auschwitz unisono als einem „Schwarzen Loch“ der menschlichen Zivilisation gesprochen. Dennoch haben die „Barackengenossen“ Jean Améry (1912 – 1978) und Primo Levi (1919 – 1987) aus ihren Erfahrungen gegensätzliche Schlüsse gezogen – und gerieten darüber nach der Befreiung gar in einen öffentlichen Streit.
18:00 Uhr NDRKultur Hörspiel
„Roman eines Schicksallosen“ Nach dem gleichnamigen Roman von Imre Kertész
Übersetzung aus dem Ungarischen: Christina Viragh
Bearbeitung: Valerie Stiegele Regie: Ulrich Gerhardt NDR 2000
Imre Kertész erzählt die Geschichte eines Budapester Jungen, der 1944 aus einem Autobus geholt und nach Auschwitz verschleppt wurde – eine Geschichte, die auch seine eigene ist. Was aber macht Kertész‘ Beschreibung so außergewöhnlich? Sie ist ein Bericht über den Holocaust aus der Perspektive eines erstaunten Kindes, das jedes schreckliche Detail im Konzentrationslager registriert, ohne zu bewerten oder gar zu rebellieren. Diese verstörende Diskrepanz zwischen dem Ton und dem Inhalt des Berichts war durchaus beabsichtigt. Kertész, der an diesem ersten Teil einer Trilogie mehr als 12 Jahre gearbeitet hat, erläutert hierzu: „Ich vertraue darauf, dass die Moral des Lesers durch die scheinbar unmoralischen kalten Zeilen des Buches verletzt wird. Dass er sich darüber empört, dass sich der Ich-Erzähler eben nicht empört, sondern scheinbar alles klaglos hinnimmt.“
18:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Feature
„Die Frau mit dem Auge“ Krankheit erzählen − Krankheit politisieren
Von Barbara Eisenmann Regie: die Autorin
Ton: Alexander Brennecke Deutschlandfunk Kultur 2025 (Ursendung)
Am Anfang steht ein krankes Auge, das nicht heilen will. Dann kommen die Fragen: Wie verändert Krankheit die Menschen, die damit umgehen müssen? Lässt sich Krankheit erzählen? Und kann man sie politisieren, also als politische Erfahrung begreifen?
18:20 Uhr SWR Kultur Jazz
Me and My Music – Julia Kadel. Von Julia Neupert
„Powerful vulnerability“ – so ist Julia Kadels letztes Album überschrieben. Kadel hat dafür der Kraft von Verletzlichkeit nachgespürt. Es ist das vierte Trioalbum der Berliner Pianist*in mit baldigem Psychologie-Bachelor. Unterstützt von Bassistin Athina Kontou und Schlagzeuger Devin Grey transformiert Julia Kadel nicht nur eigene Erfahrungen und konkrete Erlebnisse in Klang, sondern auch das allgemeine menschliche Grundbedürfnis nach Empathie. In „Me and my Music“ hören wir Julia Kadel – im Zwiegespräch mit der eigenen Musik.
19:00 Uhr HR 2 Live Jazz
Kris Davis Trio | Saalfelden Jazz Festival 2024
20:00 Uhr ByteFM Electro Royale Musik aus Strom mit Martin Böttcher
„Vor dem Sturm!“ Nächste Woche feiert Electro Royale die 888. Ausgabe. Diese Woche wird schon mal vorgeheizt. Mit dabei: Bonnie Spacey, Ela Minus, Franz Matthews, H.L.M. und viele mehr. Enjoy!
20:05 Uhr Deutschlandfunk Studio LCB
Aus dem Literarischen Colloquium Berlin Gast: Frank Heibert
Gesprächspartner: Karin Krieger, Albrecht Buschmann. Am Mikrofon: Maike Albath
Es war ein Skandalerfolg, versetzte ganz Italien in Aufregung und kam sofort auf den Index: „Die Haut“ von Curzio Malaparte, im Original 1949 erschienen, kurz darauf international beachtet. Im Mittelpunkt steht die geschundene Stadt Neapel unter amerikanischer Besatzung. Malaparte, 1898 als Kurt Erich Suckert in der Toskana geboren, als Zeitungsreporter in ganz Europa unterwegs und 1943 tatsächlich Verbindungsoffizier in Neapel, entwirft ein Kriegspanorama von ungeheurer Wucht. Mal realistisch, mal grotesk, mal fantastisch überhöht, erzählt er von leutseligen amerikanischen Soldaten, hungernden Familien, die ihre halbwüchsigen Töchter zur Prostitution freigeben, Sterbenden an der Front, dekadenten Aristokraten und dem Ausbruch des Vesuvs. Jetzt liegt „Die Haut“ in einer neuen Übertragung des vielfach preisgekrönten Übersetzers Frank Heibert vor. Wie vermittelt sich das Grauen auf sprachlicher Ebene und worin besteht die Qualität dieses Romans? Diese und andere Fragen wird Frank Heibert mit der Übersetzerin Karin Krieger, als deutsche Stimme von Elena Ferrante bestens mit Neapel vertraut, und Albrecht Buschmann, Professor für romanische Literaturwissenschaft an der Universität Rostock, erörtern.
22:00 Uhr Bremen 2 Sounds in concert
„Punch Brothers“ Konzertmitschnitt vom 26. Januar 2015, Moments, Bremen
Wir beginnen das Jahr mit einem der erinnerungsträchtigsten Bremer Konzert der letzten zehn Jahre. Als 2015 die Punch Brothers in Bremen im Moments gastierten, haben sie sich kollektiv ins Gedächtnis aller Anwesenden gespielt.
22:05 Uhr Deutschlandfunk Atelier neuer Musik
„Word of Mouth“ Die Nordic Music Days 2024 in Glasgow. Von Julia Kaiser
Es gab viele Gründe für den Nordic Composers Council, sein zweijährliches Festival im Herbst 2024 nach Glasgow zu bringen. Hornist Andy Saunders und sein Team hatten die Nordic Music Days dorthin eingeladen, zumal sich die schottische Szene der neuen Musik schon länger eher in Richtung Norden als ins britische Königreich orientiert. Schließlich teilt man dieselbe Geografie, jahrtausendealte Geschichte und steht heute durchaus ähnlich zu Europa. Unter dem Motto „Word of Mouth“ schrieben Komponierende aus den zentralen skandinavischen Ländern, ebenso aus Island, Grönland und von den Faröerinseln für das Royal Scottish National Orchestra oder das schottische Red Note Ensemble neue Werke. Die norwegische Formation Temporum thematisierte gar ihre Zugreise von Oslo nach Glasgow. Autorin Julia Kaiser hat aus Glasgow diverse Namen und Aufnahmen mitgebracht, etwa von Lauri Supponen, Jay Capperauld oder Arnannguaq Gerstrøm.
22:20 Uhr Deutschlandfunk Kultur Die besondere Aufnahme
Christian Sinding: Klaviertrio Nr. 1 D-Dur op. 23
Hyperion Trio:
Hagen Schwarzrock, Klavier
Oliver Kipp, Violine
Katharina Troe, Violoncello
Produktion: Deutschlandfunk Kultur / cpo 2025
23:05 Uhr Deutschlandfunk Lange Nacht
„Erzählen vom Unaussprechlichen“ Eine Lange Nacht über die Schriftsteller Primo Levi und Jean Améry
Von Christoph David Piorkowski Regie: Vera Teichmann (Wdh. v. 2./3.4.2022)
Nicht mehr lange, dann werden die letzten Zeugen des Holocaust für immer verstummt sein. In einer Zeit, da die Shoah von verschiedenen Seiten her relativiert wird, kommt dem Genre der Lagerliteratur eine besondere Bedeutung zu. Viele Überlebende haben von Auschwitz unisono als einem „Schwarzen Loch“ der menschlichen Zivilisation gesprochen. Dennoch haben die „Barackengenossen“ Jean Améry (1912-1978) und Primo Levi (1919-1987) aus ihren Erfahrungen gegensätzliche Schlüsse gezogen – und gerieten darüber nach der Befreiung gar in einen öffentlichen Streit.