„Joe Henry“ Konzertmitschnitt vom 10. Februar 2018, Kito, Bremen
Unter den Singer/Songwritern gehört er zu den großen Song-Poeten. Joe Henry schreibt Lieder zum Hinhören und Eintauchen. Wortgewandt und in klugen Bildern vermittelt er Gefühle und Situationen, nimmt er für seine Geschichten und ihre Personen gefangen.
Mag sich auch nicht alles sofort erschließen – die Songs haben eine erzählerische Kraft und einen Sog, denen man sich kaum entziehen kann. Dafür sorgt auch der Interpret Joe Henry. Eindringlich führt der US-Amerikaner durch die Gefühlswelten der Figuren, und lässt dabei –wie andere herausragende Autoren – offen, wieviel von ihm selbst in den Zeilen steckt.
Joe Henry stammt aus dem Norden der USA, aus der „Motor City“ Detroit in Michigan. Nach dem Studium hatte er sein Glück als aufstrebendes Songwriter-Talent in New York City versucht. Waren die ersten Alben Mitte der achtziger Jahre noch zwischen Rock, Country und Folk angesiedelt, profilierte er sich bald als kluger, stilistisch vielseitiger Individualist, der sich nicht in gängige Schubladen stecken lässt. 14 eigene, zunehmend ambitionierte Alben hat er seit 1986 aufgenommen. „Thrum“ heißt sein jüngstes Album, auch das wieder ein höchst atmosphärischer Wurf. Elf Stücke enthält das Werk, dem er ein zusätzliches Gedicht vorangestellt hat. Dass Joe Henry überhaupt Zeit und Muße für Neues findet, ist erstaunlich. Denn er ist ebenso gefragt als Produzent. Ob Billy Bragg, Bonnie Raitt, Lizz Wright oder Elvis Costello, ob Loudon Wainwright III., Emmylou Harris oder Solomon Burke – sie alle haben sich schon dem langjährigen Wahlkalifornier anvertraut.
Statt es sich einfach im Studio bequem zu machen, sucht er sein Heil allerdings weiterhin im Songwriting – seiner wahren Berufung, wie er selber sagt. In Deutschland ist der hoch angesehene Song-Meister höchst selten live zu erleben. Nach seinem ersten Bremer Konzert im Mai 2014 kehrte er für einen Solo-Abend ins KITO ein.
© Bremen 2, Sounds In Concert, 14.4.2018