„Spiegel des Westens“ Das globalisierte Denken des Tōru Takemitsu (1930 – 1996)
Von Richard Schroetter. Er bediente alle Seiten. Die Neue und mit Verzögerung auch die heimatliche traditionelle japanische Musik, und nicht zuletzt mit großer Liebe die Natur. Tōru Takemitsu. Japans erster Neutöner nach dem Zweiten Weltkrieg.
„Ich möchte mich in zwei Richtungen gleichzeitig entwickeln, als Japaner in der Tradition und als westlich geprägter Komponist in der Innovation“, sagte Tōru Takemitsu einmal. 1930 in Tokio geboren, erlebte er als Heranwachsender noch die bedrückende Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ein Musikerlebnis habe den Vierzehnjährigen geprägt. Zufällig hörte er im Radio das Chanson „Parlez-moi d’amour“ – nach damaligem Verständnis also „Feindesmusik“ – und war von den fremden Klängen sofort verzaubert. Tōru Takemitsu war weitgehend Autodidakt. Schon 1950 trat der Zwanzigjährige mit ersten Kompositionen in Erscheinung. Sensibel für alles Neue beeindruckten den wissensdurstigen Newcomer vor allem Debussy und Messiaen. Im Sommer 1964 erhielt er den begehrten Kompositionsauftrag für die Olympischen Winterspiele in Tokyo. Das machte ihn über Nacht berühmt. Seiji Ozawa brachte 1967 sein vielleicht bekanntestes Stück „November Steps“ in New York zur Uraufführung. Pultstars wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim oder Kent Nagano stellten seine Werke auf ihre Programme.
© Deutschlandfunk Kultur, Neue Musik, 4.2.2025