„Wütend, visionär, verkannt“ Eine Lange Nacht über das Rätsel Marlen Haushofer
Von Elke Pressler. Die österreichische Autorin Marlen Haushofer gehört zur selben Generation wie Ingeborg Bachmann. Im Gegensatz zu ihrer Kollegin blieb der Erfolg bei Haushofer lange aus. Der große Durchbruch kam erst nach ihrem Tod.
Mit ihrem Roman „Die Wand“ hat Marlen Haushofer 1963 ein ganz eigenes, prophetisches Werk geschaffen. Mit ihm erweist sie sich als eine brillante Analytikerin einer Weltgesellschaft, die bis heute ihr selbstzerstörerisches Tun nicht begreift – eine erstaunliche Leistung für eine sogenannte „Hausfrauen-Literatin“, der es zu Lebzeiten nicht gelang, ein „selbstermächtigtes Leben“ zu führen. Dass die österreichische Außenseiter-Schriftstellerin Marlen Haushofer (1920-1970), die so gern dazugehören und anerkannt werden wollte, außer ihrem „Klassiker“ noch einiges mehr zu bieten hat, ist kaum bekannt. Dabei sind soziale Isolation, fragwürdige Rollenzuschreibungen und existentielles „Social Distancing“ moderne Themen. Dem Rausch des Vergessens nach dem Nationalsozialismus setzte sie gallig-entlarvende Texte entgegen. Ihre Beschwörung des Alleinseins entfaltet sie in einer Sprache, die einfach, fast einfältig scheint, aber einen eigenen, unentrinnbaren Sog besitzt.
Wütend, visionär, verkannt
Eine Lange Nacht über das Rätsel Marlen Haushofer
Von Elke Pressler
Regie: die Autorin
(Wdh. v. 16./17.10.2021)
© Deutschlandfunk, Lange Nacht, 15.3.2025