David Murray: „Birdly Serenade“ oder Jazz-Serenaden für Paradiesvögel
Ein Musiktipp von Peter Kemper (FAZ). Herzschlag im Federkleid: Der Saxophonist David Murray entdeckt auf seinem Album „Birdly Serenade“ die Laute der Natur als Grundlage für einen neuen Jazz und findet zurück zu Melodie und Songstrukturen.
on einer Musik, die älter ist als die Menschheit, lässt sich der Saxophonist David Murray auf seinem neuen Album „Birdly Serenade“ inspirieren: vom Gesang der Vögel. Mal klingt sein Tenor, als zwitschere eine Amsel auf Speed, dann wieder versucht er, mit seiner Bassklarinette in die mikrotonale Welt der Vogelstimmen einzutauchen, Töne zu treffen, die zwischen jenen Tönen liegen, die normalerweise in der westlichen Musik Verwendung finden.
Nicht zufällig wird in vielen Kulturen des Mittleren Ostens, beispielsweise in Sufi-Gesängen, Vogelgesang als eine mystische, ja göttliche Sprache verehrt. Den Pfeifstrophen der Nachtigall haben Komponisten wie Ludwig van Beethoven oder Frédéric Chopin gehuldigt. Instrumentenbauer und Musiker aus dem asiatischen Raum versuchen dagegen seit Jahrhunderten jene Viertelton-Ästhetik zu beherrschen, die sich im Vogelgesang so spielerisch leicht mitteilt. Deshalb konnte der französische Komponist Olivier Messiaen auch behaupten: „Der Gesang der Amsel übertrifft an Phantasie die menschliche Einbildungskraft.“ Für ihn zählte in zahlreichen Kompositionen allein „die souveräne Freiheit des Vogellieds“.
© FAZ, 14.4.2025