Radiotipps für den 1.8.2025
Die Radiotipps in der Übersicht für alle Kultursender des Öffentlich-rechtlichen Rundfunks, ByteFM sowie des Ö1.
00:05 Uhr Deutschlandfunk Kultur Klangkunst
„From Slaveship to Spaceship“ Von Satch Hoyt (alias Sonic Shadow)
Elektrische Flöte und Perkussion: Satch Hoyt (alias Sonic Shadow)
Schlagzeug: Earl Harvin Elektronik: Dirk Leyers
Autorenproduktion im Auftrag von documenta 14 / Deutschlandfunk Kultur 2017
Der Künstler Satch Hoyt aktiviert Instrumente und Musikformen, die schwarze Menschen inner- und außerhalb Afrikas verbinden: den „Afro-Sonic Signifier“ – eine Konstruktion, welche die traumatische Erfahrung des Sklavenhandels in mögliche Zukünfte denkt.
14:05 Uhr Ö1 In Concert
Sänger-Gitarristin Anna Mabo und Cellist Clemens Sainitzer mit der Uraufführung ihrer „Lieder nach Ernst Jandl“ bei Glatt & Verkehrt 2025
Am 26. Juli 2025 stand beim Festival Glatt & Verkehrt in Krems eine besondere Premiere auf dem Programm: Die Wiener Sängerin und Gitarristin Anna Mabo präsentierte gemeinsam mit dem Cellisten Clemens Sainitzer eine musikalische Hommage an Ernst Jandl. Unter dem Titel „Lieder nach Ernst Jandl“ vertonte das Duo ausgewählte Texte des Wiener Sprachavantgardisten neu – eine Begegnung von experimenteller Dichtung und zeitgenössischer Musik.
Das Projekt (gefördert durch einen Ö1 Kompositionsauftrag) entstand anlässlich des 100. Geburtstags von Jandl am 1. August 2025 und bildete einen Höhepunkt im diesjährigen Glatt-&-Verkehrt-Programm. Anna Mabo und Clemens Sainitzer, beide in der österreichischen Musik- und Theaterszene fest verankert, griffen in ihrer Interpretation Jandls sprachspielerische Radikalität auf und setzen sie klanglich vielschichtig um.
19:00 Uhr HR 2 Hörbar
Positiv und friedlich: das Tingvall Trio & mehr Musik grenzenlos
Das Tingvall Trio war Anfang des Jahres auf ausgedehnter Tour: eine Art Trainingscamp zum neuen Album „PAX“, das gerade erschienen ist. Noch ganz beflügelt von der Konzertdynamik und mit vielen neuen Eindrücken sind zwölf neue, perlende Tracks entstanden.
19:04 Uhr Bayern 2 Zündfunk
50 Jahre Asta Rosenheim: Ein Live-Bericht vom Astalive-Festival
Mit Alexandra Martini und Ralf Summer
19:30 Uhr Ö1 Konzert
Ernst Jandl zum 100. Geburtstag
Die unheilige Allianz von Ernst Jandl mit Kirchenorgel und Soloposaune
Wie sehr der Dichter und Sprachartist Ernst Jandl den Jazz und dessen Ausdrucksformen schätze, ist hinlänglich bekannt und wird auch die zweite Hälfte dieses Ö1 Konzertes prägen. Jandl fühlte sich einer Kunstform verwandt, die weniger auf Verschriftlichung denn auch den performativen Akt setzt. Weniger bekannt als Jandls Kooperation mit Jazzern ist das seit den 1980er Jahren gepflegte Format der – zumindest in den ersten Jahren ebenso improvisierten – Auftritte des Schriftstellers mit Organist und Posaunist.
„Weltgebräuche“ nannte Organist Martin Haselböck sein auf rezitierten Jandl-Texten beruhendes Projekt, das bis heute gelegentlich aufgeführt wird. „Die literarisch-musikalische Aktion „Weltgebräuche“ entstand als Ergebnis gemeinsamen lmprovisierens der beiden Musiker Rudolf Josel und Martin Haselböck und des intensiven musikalischen Interesses Ernst Jandls“ hieß es 1986 im Programmbuch des „musikprotokolls im steirischen herbst“. Und Martin Haselböck fährt fort: „Orgel und Posaune ergänzen einander in ihrem Gegensatz von Klangfläche und -linie im selben Register, im skandierten und verschmelzenden Gegeneinander zweier Instrumente unterschiedlicher, aber doch ähnlicher Tongebung.“ Und genau mit dieser musikalischen Vorgabe war der Klangraum geschaffen, in dem Ernst Jandl seine Texte skandieren konnte. Nach Jahren des Improvisierens entschloss man sich zu einem Auftritt mit dem Projekt „Weltgebräuche“ am 26. Oktober 1986 in der Grazer Stadtpfarrkirche, dem dann schlussendlich die Bezeichnung „Uraufführung“ gegönnt wurde.
In diesem Mitschnitt vom ORF-musikprotokoll spielt den Posaunenpart allerdings der junge Posaunist Christian Muthspiel. Teil 1 unseres heutigen Jandl-Ö1-Konzertes: Eine Dreiviertelstunde mit Ernst Jandl, Rezitation, Martin Haselböck, Orgel, und Christian Muthspiel, Posaune.
19:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur Literatur
„Magischer Raum mit E-Piano und Kühlschrank“ Poesiefilme. Von Astrid Mayerle
Filme, die von Gedichten inspiriert sind, sind inzwischen so attraktiv, dass sich Festivals diesem Genre widmen. Die ersten Poesiefilme dauerten oft zehn bis zwölf Minuten, was der Länge der frühen Filmrollen entspricht. So auch „Manhatta” von 1920/21, das erste filmische Großstadtporträt von New York, eine Liebeserklärung an seine Wolkenkratzer und das moderne Leben überhaupt. Die Montage aus bewegten Filmstills ist, überblendet mit Zeilen des US-amerikanischen Dichters Walt Whitman.
20:00 Uhr Deutschlandfunk Kultur Konzert
„Festival Intonations“ Kühlhaus Berlin
Mihaela Martin, Mohamed Hiber, Violine
Adrien La Marca, Viola
Astrig Siranossian, Andrei Ionita, Violoncello
Aufzeichnung vom 14.06.2025
20:03 Uhr Bayern 2 Salon „Hörspiel & Podcast„
OBSESSED – Döner Papers (4/6): Follow The Fladenbrot
Von Aylin Dogan Regie: Lenz Schuster BR 2025
„FLOW. Beyond Baroque and Words“ Von Felix Kubin
Komposition: Felix Stachelhaus Regie: Felix Kubin Ursendung BR/DLF Kultur 2025
20:05 Uhr Deutschlandfunk Feature
„Ornament – kein Verbrechen?“ Eine Architektur-Rebellion gegen den Modernismus
Von Christoph Spittler Regie: Claudia Kattanek Deutschlandfunk 2025
Zeitgenössische Mainstream-Architektur: öde, einfallslos und menschenfeindlich. So das Urteil einer ästhetischen Protestbewegung, die sich vorwiegend in sozialen Medien formiert. Die schwedische Gruppierung „Arkitekturupproret“ wurde 2013 gegründet und hat sich als „Architectural Uprising“ inzwischen internationalisiert.
20:25 Uhr Ö1 Feature
JazzJandl
Der Dichter Ernst Jandl und seine unheimliche Liebe zum Jazz. Feature von Bert Noglik
Jazz hat Ernst Jandl bereits früh und Zeit seines Lebens fasziniert. Als leidenschaftlicher Jazz-Hörer thematisierte er seine Liebe zu dieser Musik auch in einigen seiner Gedichte. Mehr noch: In zahlreichen Texten ließ es sich vom Gestus und Rhythmus des Jazz inspirieren. Für Ernst Jandl, der einmal bekannte, lieber ein Saxofon an die Lippen führen zu wollen als mit dem Kugelschreiber über das Papier zu kratzen, bedeutete der Jazz den Ausbruch des Schriftlichen in das Laute. Die Beschäftigung mit Sprachspiel und Sprachklang führte ihn über das Sprech- und Lautgedicht bis zur Performance. Der Wort-Artist hat schließlich auch selbst mit Jazzmusikern zusammengearbeitet: mit Musikern aus dem Kreis des Vienna Art Orchestra um Mathias Rüegg wie auch mit Dieter Glawischnig und der von diesem geleiteten NDR Bigband.
Ausgangsmaterial für das „Hörbild“ von Bert Noglik war ein Gespräch über den Jazz anlässlich eines Besuches bei Ernst Jandl. Einige Jahre nach dessen Tod zog es Bert Noglik erneut in die frühere Wohnumwelt Jandls im 4. Wiener Gemeindebezirk. Bei der Spurensuche befragte er Nachbarinnen und Anwohner nach ihren Erinnerungen an den Dichter. In einer Montage aus diesen Aufnahmen, dem Interview mit Ernst Jandl und Jazzeinblendungen entstand im Studio eine live produzierte Collage mit der Sängerin Lauren Newton und dem Klangkünstler Frank Schulte. Das Feature kreist um zentrale Themen des Dichters wie das Wechselverhältnis von Sprache, Rhythmus und Klang, den Einfluss des Jazz auf Jandls literarisches Schaffen, sein Verhältnis zum Alter und zur Endlichkeit, zu Jazz und Literatur im Spannungsfeld von Politik und Gesellschaft sowie zur Kunst als Medium des Widerstands.
21:05 Uhr Deutschlandfunk On Stage
Bywater Call (CAN) (1/2) Am Mikrofon: Tim Schauen
Aufnahme vom 17.6.2025 im Deutschlandfunk Kammermusiksaal, Köln
Der rote Tourvan ist sieben Meter lang, er passt in keine Tiefgarage, transportiert aber eine siebenköpfige Band plus Tourmanager samt Instrumenten und Verstärker durch halb Europa: Die kanadische Band Bywater Call machte am 17. Juni in Köln Station, sie kam aus Belgien, packte ihr Equipment auf die Bühne, absolvierte den Soundcheck, warf sich in ihre Bühnengarderobe und kam um Punkt 20:00 Uhr für Konzert und Aufzeichnung auf die Bühne. Kein großer deal, einfach ein Konzert, oder? Nun ja: Von der ersten Sekunde an entfachte diese so gut im Saft stehende Formation eine Energie, die nur gut eingespielte Bands hinbekommen. Und als Sängerin Meghan Parnell anfing zu singen, war klar: Das würde ein guter Abend und auch eine gute Aufnahme werden. An ihren jeweiligen Instrumenten sind die sechs Männer Meister ihres Fachs, in der Summe als Bywater Call sind sie – zusammen mit ihrer Frontfrau – eine Band auf allerhöchstem Niveau.
21:21 Uhr Ö1 Konzert
Ernst Jandl zum 100. Geburtstag
Im Jahr 1984 erscheint das erste von mehreren Alben, auf denen die Zusammenarbeit von Jazzmusikern aus dem Vienna Art Orchestra mit Ernst Jandl zu hören ist.
Federführend waren Bandleader und Komponist Mathias Rüegg und die Sängerin Lauren Newton beteiligt. Das Programm der finalen Dreiviertelstunde dieses Jandl-Ö1-Konzerts: Ernst Jandl als Musiker, oder: Ernst Jandl und die Musik: Ausschnitte aus der „bist eulen“ Produktion mit Ernst Jandl, Lauren Newton, Wolfgang Puschnig, Woody Schabata und Mathias Rüegg, sowie aus der ebenfalls von Lauren Newton und Mathias Rüegg inszenierten Produktion „lieber ein saxophon“. Er würde ja „lieber ein Saxofon an die Lippen führen als mit dem Kugelschreiber über das Papier zu kratzen“ haben wir vorhin gehört, hätte Ernst Jandl einmal gesagt.
Die immense Musikalität von Jandls Texten und seiner Vortragsweise scheint nachträgliche Musikalisierungen so sehr herauszufordern wie es sie problematisch machen kann. Als der Schweizer Schriftsteller Jürg Laederach für das Plattencover von „bist eulen“ den Plattenhüllentext schrieb, konnte er es sich nicht verkneifen, zwischen den Zeilen auch das potentielle Risiko anzudeuten. Zitat Laederach: „Jandls Stimme hat den „cry“, den der unvergessliche Charles Mingus aus seinen Musikern, noch während diese spielten, mit dem entsicherten Revolver herausdrohte. Jandls an den Sachen und an den Tatsachen schraubende Bedingungslosigkeit reibt sich an der selbstsicheren Leichtfüßigkeit seiner Mitspieler“.
Im Finale dieses Sendungsfinales erklingen Erinnerungen von Ernst Jandl selbst sowie einige der „stanzen“ von Ernst Jandl, die er gemeinsam mit Akkordeonist Erich Meixner aufführte und aufnahm: Das war eine ganz andere und viel sprödere, derbere, ländlichere Welt jenseits musikalischer Leichtfüßigkeit.
22:00 Uhr ByteFM The Good Nightz mit Sebastian Hampf
Def Jam – wie ein Label HipHop geprägt hat
Def Jam hat in den 80ern und 90ern viele erfolgreiche und einflussreiche Artists hervorgebracht. Dazu zählt Chuck D mit seiner Band Public Enemy, aber auch Beastie Boys, LL Cool J, Slick Rick oder Method Man. Def Jam, 1984 von Rick Rubin und Russell Simmons in New York gegründet, ist heute eines der größten Labels im Bereich HipHop. The Good Nightz blickt im Rahmen der ByteFM Themenwoche eine Stunde lang auf die Anfangsjahre bis Mitte der 90er zurück.
22:03 Uhr Bayern 2 Eins zu Eins. Der Talk
In memoriam: Laura Dahlmeier, Biathletin und Bergsteigerin
Laura Dahlmeier war eine Biathlon-Legende: Doppel-Olympiasiegerin und 7-fache Weltmeisterin. Mit 25 Jahren beendete die Sportlerin aus Garmisch-Partenkirchen ihre Karriere und stellte sich fortan Herausforderungen in den Bergen – zu Fuß, auf dem Rad oder Ski. Nun ist sie bei einem tragischen Bergunfall ums Leben gekommen. Ihr zu Gedenken wiederholen wir einen Talk aus dem Jahr 2024.
22:05 Uhr Deutschlandfunk Lied- und Folkgeschichte(n)
„Wilde Kreatur in den Bergen“ Die australische Künstlerin Jessie Monk
Am Mikrofon: Anke Behlert
Die keltische Göttin Mis verwandelte sich nach dem Tod ihres Vaters in eine monströse Kreatur mit Fell, Federn und übermenschlichen Kräften. In dieser Geschichte hat sich Jessie Monk ein bisschen wiedererkannt, denn auch ihr Vater ist gestorben, aber anstatt sich in ein wildes Monster zu verwandeln, schrieb die heute 28-Jährige Songs über diese Erfahrung. Daher sind Transformation, Verlust und Wiedergeburt wichtige Themen auf ihrem zweiten Album „Mis O’ The Mountain“, die sie musikalisch in traditionelle Folk-Elemente mit avantgardistischen Arrangements verpackt. Jessie Monk ist in Kanada geboren und in Australien aufgewachsen. Sie lebte einige Jahre in Berlin und ist seit einigen Monaten wieder in Australien zu Hause. Sie hat eine Ausbildung in modernem Tanz und war unter anderem Darstellerin in David Bowies Musical „Lazarus“. 2023 erschien ihr Debütalbum „Continually Becoming“, mit dem sie sich internationale Anerkennung erspielte.
22:30 Uhr Deutschlandfunk Kultur Musikfeuilleton
„Vom Widerstandskämpfer zum Minister“ Der Komponist und Volkssänger Mikis Theodorakis
Von Albrecht Dümling
Als Griechenland im Zweiten Weltkrieg von fremden Truppen besetzt war, schloss sich Theodorakis dem Widerstand an. Nachdem er Gefängnis und Folter überlebt hatte, studierte er ab 1954 Komposition bei Olivier Messiaen in Paris. Er war erfolgreich mit Konzertmusik und Opern, in denen der Einfluss griechischer Folklore eine wachsende Rolle spielte. Ein noch größeres Publikum erreichte Theodorakis in seinen Liedern, in denen er auf bedeutende zeitgenössische Lyrik, etwa von Iannis Ritsos, Pablo Neruda und Federico Garcia Lorca, zurückgriff.
23:03 Uhr Bayern 2 Nachtmix
„School’s out for Summer!“ Musik von Alice Cooper (natürlich!), Foo Fighters und Marcus King
Barbara Streidl präsentiert im Bayern 2 Nachtmix „School’s out for Summer!“, eine musikalische Reise zum Ferienstart in Bayern. Mit dabei sind Alice Cooper, Foo Fighters, Marcus King, Deap Vally, The Regrettes, The Who, Paul Simon und viele mehr. Ein Rückblick auf Schulzeit und Sommerferien.
23:03 Uhr Ö1 Sound Art: Zeit-Ton
Brucknerfest 2008. „für und mit ernst“ Christian Muthspiels historisches Jandl-Solo
„für und mit ernst“ lautete der Titel einer Soloperformance von Christian Muthspiel für und mit Ernst Jandl, die im Rahmen des Brucknerfests 2008 zur Aufführung gelangt ist. 20 Jandl-Gedichte, vorgetragen vom Dichter selber, traten in einen Dialog mit Christian Muthspiels vielfältigem akustischen und elektronischen Instrumentarium.
Das war die Solofassung dieser Werkgruppe Muthspiels. Die finale Version seiner langjährigen Beschäftigung mit dem Werk von Ernst Jandl mit dem 17-köpfigen Orjazztra Vienna haben wir am Mittwoch, 23. Juli 2025 live übertragen. Es war dies zugleich Muthspiels bewusst gesetzter Schlusspunkt seiner Bühnenkarriere.