Release Tipp: Caimin Gilmore – BlackGate / Tenspotecords
Auf die Musik des Iren Caimin Gilmore bin ich durch „A Closer Listen” aufmerksam geworden. Seine Mischung aus Barockklängen, Jazz-Anleihen und Versatzstücken aus Minimal Music und Pop war zunächst ungewohnt. Irgendwie blieb etwas hängen, und ich hörte noch einmal rein. Dabei ist es nicht geblieben. Auch wenn ich nicht mit allem einverstanden bin, bleibt eine eigenwillige, faszinierende und elegante Musik übrig, die sich zu entdecken lohnt. Ich bin gespannt, welchen Weg Caimin Gilmore weiter einschlagen wird.

Der Kontrabassist und Komponist Caimin Gilmore ist Mitglied des renommierten irischen Ensembles für Neue Musik Crash Ensemble, doch mit seinem ersten Projekt als Bandleader möchte er mit einer Reihe von Stücken, die das immer stärker werdende Crossover-Phänomen widerspiegeln, auch Zuhörer außerhalb der klassischen Musik ansprechen. Zusammen mit der Harfenistin Lavina Meijer und der Cellistin Kate Ellis – der künstlerischen Leiterin von Crash – wechselt er zwischen verschiedenen musikalischen Ansätzen hin und her und wendet erweiterte Techniken und klassische Standardtropen auf prägnante kleine Vignetten an, die in leicht zugänglichen, mundgerechten Stücken präsentiert werden.
Die vier Hauptsätze von BlackGate verbinden sanft klingende Harfenarpeggios, einfache Cello- und Bassmuster sowie einige Synthesizer-Verzierungen. Alle jonglieren mit Neobarock, klassischem Minimalismus und romantischer Schwungkraft innerhalb eines Indie-Pop-Rahmens, obwohl es auch dramatische, chaotische Ausbrüche gibt. Anspruchsvoller sind die drei texturorientierten „Segue”-Sätze dazwischen – eine Art Gaumenreiniger, die einen kraftvolleren Ansatz verfolgen, wie beispielsweise das geräuschdurchdrungene, aggressiv reibungsvolle „Segue I”. Trotz solcher kompositorisch scharfen Umwege hat die Musik einen sanften Anstrich, aber die Zugänglichkeit mindert nicht die Eleganz und Handwerkskunst. Ich würde gerne hören, wie Gilmore noch tiefer geht, aber BlackGate ist ein beeindruckender Anfang. © Texte: Liner Notes