Best of 2025: Werner Klüppelholz – Hören
Musik kommt mir allmählich abhanden. Die alten Meisterwerke – etwa Beethovens – haben mich mit 25 in Begeisterung versetzt, alles Zweitklassige hingegen wie Dvorak oder Saint-Saens konnte mich noch nie hinterm Ofen hervorlocken.
Musik war für mich lebenslang Neue (zur Bewahrung des qualitativen Sprungs weiterhin mit N). Also eine Musik, die selbstkritisch ist und damit zugleich gesellschaftskritisch. Eigenschaften, die mittlerweile untergegangen sind in einem Ozean von Belanglosigkeiten (zu denen auch und gerade die Opera der politischen Korrektheit zählen).
Nein, das ist keine übliche Klage eines alten weißen Mannes über die minderwertige Jugend. Denn was wir seit langem erleben, ist eben keiner der geläufigen „Paradigmenwechsel“ wie zum Beispiel von der Reihe zur Klangfarbe um 1960.
Es ist weit mehr, nämlich der Schritt vom kritischen Veränderungswillen zur beifälligen Bestätigung des schlecht Vorhandenen. Mithin eine erschreckende Verkümmerung des Geistes: passend zur Gegenwart. Deshalb fällt mir schwer, aus dem ablaufenden Jahr starke musikalische Eindrücke zu benennen.
Mahlers Neunte vielleicht, mit dem Mahler Academy Orchestra unter Philipp von Steinaecker auf Originalinstrumenten, die das Stück endgültig in Neue Musik verwandeln. Freilich: Cages 4‘33“ geht zu jeder Jahreszeit.