Karl Valentin „Der schalkhafte Melancholiker“
Von Renate Milczewsky (Deutschlandfunk 1989). Vorgestellt von Isabella Kolar. Karl Valentin war einer der großartigsten Komiker des 20. Jahrhunderts. Ein Alltagsphilosoph, der bei seinen Granteleien nur selten auch nur eine Mine verzog, ganz anders als sein brüllendes Publikum. Der Meister des Wortwitzes fasziniert bis heute.
Der strichdünne knochenbleiche rothaarige Mann lachte nie und war gleichzeitig einer der größten und großartigsten Komiker des 20. Jahrhunderts. Karl Valentin starb am 9. Februar 1948 und aus Anlass seines 50. Todestages entstand diese Sendung in der DLF-Reihe „Querköpfe“. Der hintergründige Wortwitz der Dialoge, die der Meister des vollendeten Missgeschicks gemeinsam mit Liesl Karlstadt auf die Bühne brachte, gehört auch heute noch zu den feinsten Schätzen der Kabarett-Geschichte.
Er gefällt sich – herausgewachsenen aus dem eigenen zu knappen Anzug – als seine eigene Karikatur. Karl Valentin ist ein großer Künstler. Nur das Leben selbst ist für ihn bis zuletzt ein unlösbares Problem. Aus dieser Tragik entwickelt niemand so große Komik wie er, der brillante Humorist, Volkssänger und Sprachakrobat. Man muss furchtbar lachen über ihn – obwohl er gar nicht lustig ist. Ein kostbares Phlegma der Narretei. Er war ein Münchner Grantler und Pessimist. In Monologen, Dialogen und Szenen beschäftigte er sich mit der Verlorenheit des Menschen, der Vieldeutigkeit von Sprache und den Fallstricken der Kommunikation. Sein Todestag ist ein Rosenmontag, am Aschermittwoch wird er beerdigt. Was bleibt, sind seine Bonmots. „Es ist schon alles gesagt, nur nicht von jedem“.
© Deutschlandfunk Kultur, Aus den Archiven, 31.1.2026