R.I.P. Mike Westbrook „Schatzgräber des britischen Jazz“
Von Wolfgang Sandner (FAZ). Er verband Jazz mit französischen Dichtern, Politik und Straßentheater, und seine poetisch-musikalischen Grenzgänge werden uns fehlen: Zum Tod des Komponisten, Bandleaders und Pianisten Mike Westbrook.
Einen Mangel an musikalischem Material gab es bei Mike Westbrook nie. Alles, was man zum Klingen bringen konnte, hat er in schlüssige, bisweilen skurrile, immer originelle Jazzformen gebracht. Natürlich findet sich in seinem Arsenal der übliche Kanon vom skizzierten Head-Arrangement über getüftelte Bigband-Partituren, vollgepackt mit synkopierten Rhythmen und alterierten Akkorden mit viel Platz zum Improvisieren, bis hin zu standardisierten Harmonien und den ganzen Riffs und Licks aus hundert Jahren Jazzgeschichte. Sonst hätte er auch nicht mit „On Duke’s Birthday“ in den Achtzigerjahren eine der schlüssigsten und zugleich eigenständigsten Hommagen an den Titan des großorchestralen Jazz herausbringen können.
© FAZ, Feuilleton, 13.4.2026