Release Tipps

Release Tipp: Nonturn – Repeating Town / Audiobulb

Es gibt diese Momente, in denen die Replay-Taste quasi „hängen” bleibt. Zwischen all dem Wahnsinn, den ich hier anhöre, ist es vielleicht dieser Groove, den ich immer wieder hören möchte. Die Rede ist von Nozom Yoneda, auch bekannt als Nonturn.

Dass der Ursprung von „Repeating Town” Field Recordings sind, kann ich beim Anhören kaum glauben. Nonturn hat den Alltag von Koenji in Tokio mit seinen Bewohnern und all ihren sich wiederholenden Zyklen eingefangen. Maschinen, Schritte, Geräusche, Rhythmen, diese alltäglichen Geräusche von Koenji wurden mittels Elektronik und Sampling zu einem faszinierenden Stadtleben mit 96 BPM. „Faszinierend”, würde Spock jetzt sagen, und ich schließe mich ihm definitiv an. Anhören, anhören, anhören …

Die Fragmente der Stadt wiederholen sich, überlagern sich und schwingen miteinander – eine sanft groovende elektronische Klanglandschaft, die ausschließlich aus vor Ort aufgenommenen Samples besteht.

„Repeating Town“ fragt nicht danach, wie die Stadt klingt, sondern wie man die Stadt dazu bringen kann, als Musik zu funktionieren. Jeder Klang auf dem Album wurde in und um Koenji, Tokio, aufgenommen: Ampeln, Schritte, Klimaanlagen, Bauarbeiten, vorbeifahrende Autos und Gesprächsfetzen. Diese Aufnahmen sind Spuren realer Orte, werden jedoch nicht als dokumentarische Beweise oder Stimmungsbilder präsentiert. Sie werden geschnitten, wiederholt, übereinandergelegt und als Sampling-Material auf ein 96-BPM-Raster gesetzt.

Der Titel verweist auf die Methode. Die alltägliche Stadt ist bereits voller Wiederholungen: Signale kehren zurück, Schritte ziehen vorbei, Maschinen brummen, Wege wiederholen sich, Stimmen tauchen auf und verschwinden wieder. Nonturn hört diese Wiederholungen nicht als Hintergrund, sondern als musikalische Gegebenheit. Sobald sie aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgelöst sind, beschreiben die Klänge nicht mehr, woher sie stammen, sondern fungieren als Rhythmus, Textur, Akzent, Resonanz und Stille.

Was hier zählt, ist nicht die Neuartigkeit der Verwendung nicht-instrumentaler Klänge, sondern die Grammatik, die diese Klänge musikalisch funktionieren lässt. Anstatt Koenji zu dokumentieren, verwandelt Nonturn es in eine in sich geschlossene Miniaturwelt: Die Stadt wird gesampelt, auf einem gleichmäßigen 96-BPM-Raster angeordnet und dazu gebracht, sich nach ihrer eigenen inneren Logik zu bewegen. Es handelt sich weniger um eine Aufzeichnung eines Ortes als um eine private Miniaturstadt, die aus Samples aufgebaut ist und von innen heraus gespielt wird. In diesem Sinne steht „Repeating Town“ der Musique concrète im Stil der Clubmusik näher als einer Ambient-Klanglandschaft: ein post-club-elektronisches Werk, das aus der sich wiederholenden Oberfläche des Alltags entsteht.

Nozom Yoneda aka Nonturn

Alle sieben Tracks teilen denselben Puls und verbinden das Album als Teil einer fortlaufenden Hörumgebung wieder mit „Territory“. Während „Territory“ die aufgenommenen Straßen Tokios zu einer einzigen Klanglandschaft zusammenfügte, greift „Repeating Town“ dieselbe Field-Sampling-Methode auf und ordnet sie um diesen gleichmäßigen Puls herum an – in ihrem Raster- und Wiederholungsgefühl nahe an der Clubmusik, aber bewusst außerhalb der „Four-on-the-Floor“-Logik des Techno. Das Cover und die Druckauflage stammen aus Nonturns eigenen Nahaufnahmen der Stadt – Fragmente von Wänden, Oberflächen und abblätternder Farbe, die er auf Spaziergängen durch Tokio entdeckt hat. Seit Jahren fotografiert er diese kleinen abstrakten Details, überzeugt davon, dass die Stadt malerische Bilder vor aller Augen verbirgt: dieselbe Methode wie bei der Musik, die Stadt als Material. Eine kleine signierte und nummerierte Druckauflage, hergestellt auf japanischem Washi-Archivpapier, ist hier erhältlich. © Texte: Liner Notes

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