Hörspiel: „True Stories“ Von Sophie Calle/Ulrike Haage
Die Französin Sophie Calle gehört weltweit zu den wichtigsten zeitgenössischen Konzeptkünstlerinnen. Sie ist eine Meisterin im Auflösen der Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Es gibt kein Tabu bei ihr, das dem Spiel Einhalt gebieten würde, solange dieses nur zum Kunstwerk wird.
Die Psychologie zwischenmenschlicher Beziehungen ist der Inhalt aller meiner Arbeiten“, sagt Sophie Calle und zeigt sich beeinflusst von Jaques Lacan, der in den 1960er und 70er Jahren eine Theorie des Unbewussten in der Alltagssymbolik entwickelte. Sophie Calle beobachtet und sammelt Daten, Spuren, Lebenslagen. Sie gibt die Ergebnisse ihrer Untersuchungen in Form tagebuchartiger Texte wieder, die von Fotografien unterstützt werden. Ulrike Haage setzt in ihrem Hörspiel einige der äußerst lakonischen und pointierten Erzählungen aus „True stories“ einer Art akustischen Befragung aus, nimmt sich das Postkarten-Buch „Tout“ mit Kurzbeschreibungen zu 54 Werken von Sophie Calle vor und nähert sich den Verfahrensweisen Calles an:
„Dieses Hörspiel ist ein Versuch mit offenem Ausgang. Eine Interpretation von Texten, Werkbeschreibungen, die ich faszinierend oder thematisch spannend finde und über meine klanglichen Assoziationen zusätzlich mit Sounds und Musik bemustere. Ich halte mich dabei streng an unsentimentale Regeln wie Taktvorgaben, Zahlenspiele, die ich auf Noten übertrage und so weiter. Ich mische mich musikalisch dazu. Und verfahre dabei wie Sophie Calle, ich verfolge das Werk über seine Veröffentlichungen.“ (Ulrike Haage)
True Stories
Von Sophie Calle/Ulrike Haage
Mit Francoise Cactus, Birte Schnöink und Damian Rebgetz
Bearbeitung, Komposition und Regie: Ulrike Haage
BR 2019
Sophie Calle, geboren 1953, lebt in Paris und New York. Konzeptkünstlerin. 2002 SPECTRUM-Preis für Fotografie der Stiftung Niedersachsen Werkschau, 2004 Werkschau im Martin-Gropius-Bau, Berlin. 2007 Biennale di Venezia, französischer Pavillon.
Ulrike Haage, geboren 1957, Musikerin, Komponistin, Hörspielmacherin, lebt in Berlin. 2003 erhielt sie als erste Frau und bis dato jüngste Preisträgerin den Deutschen Jazzpreis (Albert Mangelsdorff Preis), der sie für ihr bisheriges Lebenswerk, ihre Arbeit an der Schnittstelle von Pop, Kunst und Avantgarde, auszeichnete. Weitere BR-Hörspiele: „Die Stille hinter den Worten“ (2008), „Exakte Vision“ (2004, gemeinsam mit Ulrike Voswinckel), „dingfestmachen – Nach Aufzeichnungen von Louise Bourgeois“ (2003)
© Bayern 2, Hörspiel, 3.6.2019