Jazzfestival In Frankfurt 2020: „Charlie Parker neu gedacht“ Django Bates und die HR-Bigband
Vom diesjährigen Frankfurter Jazzfestival ist nur ein Konzert geblieben. Dabei überraschten Django Bates und die HR-Bigband allerdings mit außergewöhnlichen Neuinterpretationen des genialen Improvisators. Von Wolfgang Sandner
Vor ihm haben alle Musiker den Hut gezogen. Diejenigen, die mit ihm auf der Bühne standen, sowieso. Die anderen haben Charlie Parkers Soli auf dem Altsaxophon Note für Note kopiert. Und tausendmal nachgespielt. Bis sie begriffen, dass Akkorde nahezu unbegrenzt dehnbar sind und die rhythmischen Akzente hin und her geschoben werden können, wie es einem passt. Man muss nur zurückfinden zu den Ausgangstönen und den Taktschwerpunkten. Parker fand immer zurück. Seine Phantasie, seine Kreativität, die Intensität seines Spiels und sein Gespür für Melos waren phänomenal. In diesem Jahr hätte er seinen hundertsten Geburtstag feiern können. Wenn sein Lebensstil nicht so selbstzerstörerisch gewesen wäre. 1955 ist er gestorben. Mit 34 Jahren.
Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2016
Jetzt hat das 51. Deutsche Jazzfestival Frankfurt mit dem einzigen Live-Konzert, das von dem üppig geplanten Musikereignis übrig geblieben ist (es soll in ursprünglicher Form nächstes Jahr nachgeholt werden), dem großen Charlie Parker eine klingende Reverenz erwiesen und einige seiner wesentlichen Kompositionen von Django Bates für die Bigband des Hessischen Rundfunks neu arrangieren lassen.
Deutsches Jazzfestival Frankfurt 2016
So sind ihm eine Reihe erstaunlicher Arrangements gelungen, die einige von Parkers Kompositionen dekonstruierten, um sie nach außerordentlichen musikalisch-chirurgischen Eingriffen – man könnte es bisweilen auch Totaloperationen nennen – überraschend neu zusammenzusetzen.
Der Konzertmitschnitt vom 28.10.2020 kommt demnächst.