„Edgar Varèse und Frank Zappa“ Zum 80. Geburtstag von Frank Zappa
In der Sendung geht es um Zappas Verehrung für Edgar Varèse, seine Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern und ein neues Buch mit Interviews. Mit Margarete Zander
Beim ersten Mal hat er den Musiker mit den eng zurückliegenden Haaren und dem kurzen Bärtchen nicht erkannt und gefragt: „Sind Sie Frank Zappa?“. Nach dem zweiten Treffen und der ersten langen Interviewnacht mit viel Musik und viel Kaffee wuchs die Freundschaft zwischen dem niederländischen Journalisten und Produzenten und dem Rockstar. Von 1977 bis zu Frank Zappas Tod am 4. Dezember 1993 sollte sie halten. In Co de Kloets gerade veröffentlichtem Buch „Frank & Co“ (Haver Productiest, 440 Seiten), begegnet man in vielen Interviews und Texten deshalb auch keinem Abziehbild, sondern dem Menschen Zappa, dem kompromisslosen, direkten und humorvollen Musiker.
Frank Zappas Zusammenarbeit mit dem Ensemble Modern
Dass Frank Zappa mit dem Ensemble Modern zusammenarbeitete, hatten der damalige künstlerische Leiter der Frankfurter Feste, Dieter Rexroth, und die Manager des Ensemble Modern, Karsten Witt und Andreas Mölich-Zebhauser, eingefädelt. Sie hatten zwei Aufnahmen des Ensemble Modern zum Gespräch mit Frank Zappa nach Los Angeles mitgebracht, die den Musiker und Komponisten überzeugten: Eine Aufnahme mit Musik von Kurt Weill und eine mit Musik von Helmut Lachenmann, in der die Musiker auf ihren Instrumenten mit großer Lust Geräusche produzierten, die sonst für klassische Musiker verboten sind. Frank Zappa nahm den Kompositionsauftrag für eine Show in Frankfurt an und lud das Ensemble Modern zu Proben in sein Studio ein.
Schon früh hatte Frank Zappa angefangen, neben der Rockmusik mit den „Mothers of Invention“ für klassische Orchester zu komponieren. Neugierig geworden war er durch eine LP, die er sich als Teenager gekauft hatte. Es war der erste Teil des Gesamtwerks des französischen Komponisten Edgar Varése, gespielt vom New York Wind Ensemble und dem Juilliard Percussion Quartet. Gern erzählte Frank Zappa später, dass er so begeistert von der Musik war, dass er sich von seinen Eltern zum 15. Geburtstag ein Ferngespräch aus Los Angeles nach Paris zu Varèse wünschte. Mitglieder des Ensemble Modern sahen amüsiert, dass Frank Zappa die Rechnung für dieses Telefongespräch von 1955 in der Toilette in seinem Studio aufgehängt hatte.
Das Stück von Varèse, das Frank Zappa besonders faszinierte und das zu den wenigen gehört, die er später selbst dirigiert hat, war „Ionisation“: Musik für 13 Schlagzeuger mit 32 Schlaginstrumenten, komponiert zwischen 1929 und 1931.
Zappa und die Neue Musik
Die Liebe zu Varèse, Webern und Strawinsky hat dem US-amerikanischen Komponisten Frank Zappa einen festen Platz in der Community der Neuen Musik gegeben. Pierre Boulez gab ihm einen Kompositionsauftrag für das Ensemble Intercontemporain und hat das Stück „The Perfect Stranger“ 1984 selbst uraufgeführt. Auch das Ensemble Musikfabrik hat Frank Zappas Stücke fest im Repertoire. Die etwa 90-minütige Show „Yellow Shark“ mit dem Ensemble Modern, die 1992 auf der Bühne der Alten Oper Frankfurt stand, wurde Kult. Und sie ist auch heute noch packend und in ihrer einmaligen Überwindung der Genres zwischen Rock und Klassik absolut überzeugend. Das Ensemble Modern, dessen Musikerinnen und Musiker sich einen Namen gemacht haben als die „Rock’n Roller der Neuen Musik“, gestalten die Show mit ungeahnten Fähigkeiten und einer Begeisterung, die ansteckt. Nach Frank Zappas Devise: „Alles, jederzeit, an jedem Ort, grundlos und ohne Ziel“.
© NDR Kultur, Neue Musik, 22.12.2020