„Nerdig“ Die Vinyl-Single: 18 Zentimeter höherer Unfug
Im Windschatten der boomenden Langspielplatte erfreut sich selbst die Single steigender Wertschätzung. Manch eine Anschaffung kann sich auszahlen. Von Karl Fluch.
Wirklich praktisch war sie nie. Zwar nervt sie nicht mit Werbeunterbrechungen, aber nach drei, vier Minuten muss man sie umdrehen oder erneut starten: Die Vinyl-Single ist ein Relikt und dennoch ein genauso zähes Luder wie ihre große Schwester, die Langspielplatte. Beiden Formaten wurde vom vermeintlichen Siegeszug der CD ab den 1980ern ihr baldiges Verschwinden verkündet, beide Formate erfreuen sich nun im Streamingzeitalter wieder großer Beliebtheit und brechen jährlich neue Umsatzrekorde.
Nicht nur das. Vorige Woche wurden die Verkaufscharts für physische Tonträger bei Amazon Deutschland von einer Vinyl-Single angeführt. Das gab’s lange nicht, vielleicht noch nie. Und zwar von einer im Dunkeln leuchtenden Single von Metallica, die limitiert für eine Benefiz-Aktion um 25 Euro verkauft wurde.
© Der Standard, Kultur, 26.8.2021