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„Unverloren“ Ingeborg Bachmanns poetisches Testament

Im Sommer 1962 erlitt Ingeborg Bachmann einen − so ihre eigene Formulierung − „totalen und fast tödlichen Zusammenbruch“. Die Trennung von Max Frisch ließ Traumata ihrer frühen Kindheit wieder aufbrechen; fortan wurde Bachmann von schweren Panikattacken heimgesucht, die wiederholt zur Einweisung in psychiatrische Kliniken führten.

Von Manfred Koch

In den Jahren der Krankheit hat Bachmann wenig veröffentlicht, aber viel geschrieben: Traumprotokolle, Reden an die Ärzte, Gedichte, Briefe, Entwürfe von Erzählungen − alles Versuche, die Zerstörungsgewalt, die sie an Leib und Seele erfuhr, durch sprachliche Gestaltung zu bannen. Unter dem Titel „Male oscuro“ sind die Notate aus der Krankheitszeit jetzt erstmals erschienen. Ausgehend von diesen erschütternden Dokumenten schildert Manfred Kochs Essay Bachmanns Kampf um Gesundung, der vor allem ein Kampf um die Wiedergewinnung poetischer Souveränität war. Er kulminierte im Gelingen ihres wohl schönsten Gedichts, Böhmen liegt am Meer: „Zugrund gerichtet, wach ich ruhig auf / Von Grund auf weiss ich jetzt, und ich bin unverloren.“

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© SWR 2, Essay, 23.10.2017

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