NMZ „Spätwerk-Ökonomie“ Neuerscheinungen von Georg Katzer, Christian Wolff und John Cage.
Der 2019 verstorbene Georg Katzer war auch nach der „Wende“ eine der interessantesten Stimmen der älteren Komponistengeneration. Die bemerkenswerte Vielseitigkeit seines Schaffens dokumentiert in komprimierter Form diese CD mit Stücken aus Katzers letzten beiden Lebensjahren. Von Dirk Wieschollek.
Sie legen (weitestgehend in Ersteinspielungen) eine bezwingende Ökonomie und Verdichtung ihrer Ausdrucksmittel an den Tag: „postscriptum zu B.“ ist ein dreiteiliger Reflex auf Beethovens Sonaten für Cello und Klavier, der zwischen verspielter Rhetorik und traumverhangener Atonalität eine fast improvisatorische Sprunghaftigkeit präsentiert. Der Liederzyklus „…blüht nur im Gesang“ für Sopran, Cello und Klavier bewegt sich oft im melodramatischen Modus der frühen Moderne, gibt sich jedoch betont zeitkritisch.
Inzwischen ist Christian Wolff fast 90 und nicht müde, seine Musik an der Schwelle von gestalterischer Freiheit und fixierter Formgebung immer weiter zu verfeinern. Deren spezielle Poetik wird hier evident in Ersteinspielungen des Trio Accanto, das mit viel Klangsinn Wolffs kompositorischen Grenzgängen nachspürt. Die Instrumentation der „Exercises“ (hier eine Auswahl von 2011 bis 18) ist genauso flexibel wie wichtige musikalische Parameter.
John Cages Affinität zur Musik von Erik Satie ist das Thema der 54. Folge der Cage-Edition beim New Yorker Label mode. Dreh- und Angelpunkt natürlich die „Cheap Imitation“ (1969), Cages „Re-Komposition“ von Saties „Socrate“ (1917/18). Eine Hommage, die aus der Not geboren war: Für eine Choreographie von Merce Cunningham wollte Cage eigentliche eine Klaviertranskription von Saties „Drame symphonique“ anfertigen, bekam aber die Rechte nicht.
© NMZ, 10/2021 Alle Texte: Dirk Wieschollek