Kulturwissenschaftler Louis Chude-Sokei „Bowie brachte mich zum Schweben“

Der US-Kulturwissenschaftler Louis Chude-Sokei über Musik als Zuhause, Schwellen in den Zonen des Übergangs und vielfältige Formen von Blackness. Von Julian Weber.

taz: Louis Chude-Sokei, Sie treten in Berlin beim Festival „The Sound of Distance“ mit Ihrem Essay „Threshold“ in Erscheinung. Eine Aufnahme Ihrer Textlesung wird vor dem Haus der Kulturen der Welt und innen im Gebäude in jeweils unterschiedlichen Fassungen zu hören sein. Threshold bedeutet so viel wie Übergang, Schwelle, Migration …

Louis Chude Sokei: … und es bedeutet auch Grenze.

Es ist ein Begriff, dem angesichts weltweiter Flüchtlingsbewegungen große Bedeutung zugemessen wird. Warum?

Weil er immer auch mit Transformation zu tun hat. Er beschreibt nicht nur eine Bewegung von A nach B, sondern auf der Schwelle macht man unterschiedlichste Erfahrungen. Und diese verwandeln Menschen. Zonen des Übergangs haben auch mit einer Bewusstwerdung von Veränderung zu tun. Man ist nicht mehr das, was man zuvor war, das kann auch bedrohlich sein. Trotzdem stelle ich mir die Schwelle lieber als etwas vor, an dem Veränderung bewusst angenommen wird.



Klänge nehmen beim Abspielen in unterschiedlichen Räumen ebenfalls unterschiedliche Formen an. Vor dem Eingang des HKW wird eine Dubversion Ihrer Originallesung zu hören sein, die wiederum drinnen in der Aula abgespielt wird.

Als Dubversion ist meine Stimme im Cut-up-Verfahren verfremdet. Dass sie als Erstes zu hören ist, wenn man vor dem Gebäude steht und dann über die Schwelle geht und das HKW betritt, ehrt mich.



© TAZ, Kultur, 21.10.2021

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