Musiktipps

Nick Cave: Rockstar, Prediger und Prophet

Von Ueli Bernays. Sein Leben wurde durch Katastrophen erschüttert. In einem neuen Interview-Band spricht Nick Cave über seine tragischen Lebenserfahrungen. Und man versteht ihre Auswirkungen auf seine Musik.

Von Interviews hält er wenig. Sie seien ermüdend und «grundsätzlich beschissen». So lässt sich Nick Cave zu Beginn eines Buches verlauten, bei dem es sich ausgerechnet um ein dreihundert Seiten langes Interview handelt. Der irische Journalist Sean O’Hagan hat mit dem Sänger im März 2020 in mehreren, über vierzig Stunden langen ausgedehnten Sessions gesprochen, die nun in «Glaube, Hoffnung und Gemetzel» festgehalten sind. Die Gunst des australischen Rockstars hat er sich offenbar durch sein besonderes Renommee verdient: Seit Jahren führt O’Hagan lange, persönliche Gespräche mit berühmten Künstlern und Musikern.



Nick Cave verabscheut Interviews, weil sie sich in den Floskeln von Promotion und Selbstlob erschöpften. Hingegen schätzt er offene Dialoge, die verborgene Wahrheiten offenbaren könnten. Diese Gesprächskultur hält Nick Cave gar für bedroht, wie man später erfahren wird: Denn die Zeitgenossen verschanzten sich zu oft hinter den Mauern von Zynismus, Tribalismus oder Identität.



Nick Cave, Sean O’Hagan: Glaube, Hoffnung und Gemetzel. Aus dem Englischen von Christian Lux. Kiepenheuer & Witsch, Köln 2022. 331 S., Fr. 39.90.

NZZ, Feuilleton, 2.12.2022

(Visited 103 times, 1 visits today)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.