Ausnahmemusikerin Nadia Boulanger – Pianistin, Pädagogin, Komponistin, Dirigentin
Von Uwe Schweikert. Als Frauen lediglich als Sängerinnen musikalisch Karriere machen konnten, war Nadia Boulanger eine Ausnahmeerscheinung im Musikleben. Sie war Pianistin, Pädagogin, komponierte, hatte ein eigenes Vokalensemble und dirigierte.
Ihre Kenntnisse und Interessen umfassten gleichermaßen Monteverdi wie Strawinsky. Ein Portrait von Uwe Schweikert.
„Vergessen wir, dass ich eine Frau bin, und sprechen wir über Musik.“
Nadia Boulanger zur Diskussion über die Benachteiligung als Frau
Nadia Boulanger war neben ihrer Musikerinnenrolle auch eine begnadete Pädagogin und unterrichtete am Conservatoire Américain de Fontainebleau seit 1921 Generationen von Musikern – von Aaron Copland bis Daniel Barenboim, Jean Françaix bis John Eliot Gardiner. Eine komponierte, tönende Erinnerung mit ihren zwischen 1936 und 1968 entstandenen Aufnahmen.
„Als Pädagogin besteht mein ganzes Leben darin, andere zu verstehen und nicht, andere dazu zu bringen, mich zu verstehen. Was ein Student denkt, was er tun will – das ist wichtig. Ich muss versuchen, ihn dazu zu bringen, sich selbst auszudrücken, ihn darauf vorzubereiten, das zu tun, was er am besten kann.“
Nadia Boulanger, zitiert nach: Bruno Monsaingeon: „Mademoiselle. Entretiens avec Nadia Boulanger“ (1981)
© SWR 2, Thema Musik, 8.11.2022
Musikliste zur Sendung
Nadia Boulanger:
Le Couteau & Heures ternes
Cyrille Dubois (Tenor ), Tristan Raës (Klavier)
Gabriel Fauré:
Requiem, Nr. 5 Agnus Dei
Orchestre et Chœurs, Nadia Boulanger
Gabriel Fauré:
Requiem, Nr. 6 Libera Me
BBC Chorus, BBC Symphony Orchestra, John Carol Case (Bariton), Nadia Boulanger
Claudio Monteverdi:
Hor che‘l ciel et la terra
Vokalensemble, Nadia Boulanger
Claudio Monteverdi:
Chiome d’oro
Hugues Cuénod (Tenor), Paul Derenne (Tenor), Instrumentalensemble, Nadia Boulanger
Claudio Monteverdi:
Interrotte speranze
Hugues Cuénod (Tenor), Paul Derenne (Tenor), Instrumentalensemble, Nadia Boulanger
Johannes Brahms:
Liebeslieder-Walzer op. 52
Marie-Blanche de Polignac (Sopran), Irène Kedroff (Alt), Hugues Cuénod (Tenor), Doda Conrad (Bass), Dinu Lipatti & Nadia Boulanger (Klavier)
Johannes Brahms:
Walzer für Klavier zu vier Händen, op. 39 Nr. 1 und Nr. 5
Dinu Lipatti, Nadia Boulanger (Klavier)
Lili Boulanger:
Pie Jesu
Gisèle Peyron (Sopran), Instrumentalensemble, Nadia Boulanger
Literatur:
Bruno Monsaingeon: Mademoiselle. Entretiens avec Nadia Boulanger. Paris 1980.
Léonie Rosenstiel: Nadia Boulanger: A Life in Music. New York/London 1982.
Melanie Unseld: Nadia Boulanger, Mai 2004, in: Musik und Gender im Internet.
Eva Rieger: Nadia Boulanger, in: FemBio.
Film:
„Mademoiselle„. Film von Bruno Monsaingeon, 2007.
CDs:
Lili & Nadia Boulanger: Mélodies (Cyrille Dubois (Tenor), Tristan Raës (Klavier))
Lili & Nadia Boulanger: Clairières (Nicholas Phan (Tenor), Myra Huang (Klavier))