Porträt von Marc Weiser „Auch Free Jazz kann geil sein“
Schon lange mischt Marc Weiser in der Berliner Subkultur mit. Nun bringt er mit Konzerten Schwung in das Jugendwiderstandsmuseum in Friedrichshain. Von Andreas Hartmann.
Es ist kalt in der Galiläakirche in Friedrichshain, dem Arbeitsplatz von Marc Weiser, der seine Daunenjacke lieber nicht auszieht. Es gebe zig Heizkörper hier, sagt er, aber diese anzuwerfen, das könne man sich ganz einfach nicht leisten. Bei den derzeitigen Energiepreisen sowieso nicht. Die 113 Jahre alte und unter Denkmalschutz stehende Kirche sei so gut wie gar nicht gedämmt, „die Wärme steigt nach oben und zieht direkt ab durch das Dach“, sagt er.
Gleich wird es hier, wo man fast seinen eigenen Atem zu sehen glaubt, ein Konzert geben. Tom Liwa, Singer-Songwriter-Legende und ehemaliger Kopf der Flowerpornos, ist aus dem Wendland angereist, um hier später zu spielen. Er macht gerade den Soundcheck, trägt dabei eine Pudelmütze und auch er zieht seine Winterjacke lieber nicht aus.
Gerne würde er mitten in der Kirche, die schon lange nicht mehr von ihrem Besitzer, der Evangelischen Kirche, für Gottesdienste genutzt wird, auftreten. Direkt vor dem Altar und der immer noch funktionierenden Kirchenorgel also, wie ein Priester vor seiner Gemeinde, jedoch mit der Gitarre in der Hand. Aber er sieht dann doch ein, dass diese Kälte niemandem zuzumuten ist. Nicht ihm selbst und nicht dem Publikum. Also wird er umziehen in den einzigen, wenngleich auch winzigen Raum des ganzen Gebäudes, in dem eine Heizung läuft.
© TAZ, Kultur, 21.12.2022