Musikfestival FEMUA in Elfenbeinküste „Falsche und richtige Verheißungen“
Eindrücke vom Musikfestival FEMUA im westafrikanischen Abidjan. Sein Rahmenprogramm widmete sich dieses Jahr dem Thema Ernährungssicherheit. Von Stephanie Grimm.
Bei Ankunft in Bouaké darf dann auch die Entourage des ivorischen Musikfestivals FEMUA ihren Popstar-Moment haben. Der Bus, in dem Künstler:innen, Techniker und die Presse aus dem 350 Kilometer entfernten Abidjan für den letzten Festivaltag anreisen – der findet traditionell in einer anderen Stadt statt –, kann sich durch die wartende Menschenmenge kaum den Weg zum Hotel bahnen. Alle, die aussteigen, werden jeweils frenetisch begrüßt.
Die zweitgrößte ivorische Stadt mit geschätzt einer halben Million Einwohner hat in den Jahren zwischen 2002 und 2012, als die Elfenbeinküste von politischen Krisen und einem Bürgerkrieg erschüttert wurde, besonders gelitten. Nun, so erklärt Salif Traoré alias A’salfo, Festivalbegründer und Sänger der Band Magic System – hierzulande nicht zuletzt durch ihre Stadion-Feelgood-Hymne „Magic in the Air“ bekannt – wolle man dazu beitragen, Bouaké als Kulturort neu zu beleben.
Besonders fiebert man hier Baaba Maal entgegen. Viele tragen selbstbedruckte T-Shirts mit seinem Konterfei. Am Freitag, da noch in Abidjan, hatte sich die international prominenteste Stimme des Senegal, Amalgamierer von Griot-Tradition und zeitgenössischen Sounds, vor seinem flirrend-energetischen Set, in einer emotionalen Ansprache an die „schöne Jugend von Afrika“ gewandt.
Diese solle bitte nicht ihr Leben bei einer Mittelmeerüberquerung aufs Spiel setzen, um falschen Verheißungen nachzujagen. Sondern mit Stolz auf diesem sonnigen Kontinent voller Ressourcen Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen.
© TAZ, Kultur, 4.5.2023