„Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer“ Nach der gleichnamigen Posse in 3 Akten von Robert Musil, in einer Bearbeitung von Ingeborg Bachmann
Weltwirtschaftskrise 1923: Alpha, kann nichts erschrecken; sie hält sich, selbstbewusst promiskuitiv, ihren Salon mit Freiern, die sie selbstverständlich finanziell unterstützen. Auf die Dauer langweilt es sie, sind diese doch alle auf ihr Spezialistentum reduzierte Abziehbilder eines erfolgreichen Pianisten, Staatsrats, Gelehrten oder Filius eines Industriellen.
Den Kunstmaler Doktor Apulejus scheren die erotischen Aventüren seiner Frau wenig, seine Sehnsucht gilt dem Hermaphroditen. Und dann erscheint wie ein Deus ex machina nach Jahren der Abwesenheit ihr Jugendfreund Vinzenz hinter einem Sofa. Als charmanter Spieler im Reiche der Phantasie, als Möglichkeitsmensch hat er sich von der Wirklichkeit nicht funktionalisieren lassen.
Aber auch so einer braucht Geld. Alpha erliegt ihm aufs Neue, will diesen Mann ohne Eigenschaften heiraten, was ihn nicht hindert, sie zu betrügen.
Das ruft die Herrenrunde auf den Plan, vor dem Hallodri zu warnen und ihr die Fortsetzung ihrer Ehe mit Apulejus zu empfehlen. Alles möge doch beim Alten bleiben. Per Telefon gibt Alpha aber Baron von Usedom ihr Jawort.
Ingeborg Bachmann hat Musils Posse von 1923 zu einer temporeichen Gesellschaftstravestie um Identität, Sex und Glück verdichtet – als ob es eine Screwball Comedy aus Hollywood im Geiste George Cukors wäre, mit einem Feuerwerk an so klugen wie bösen Bonmots.
Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer
Nach der gleichnamigen Posse in 3 Akten von Robert Musil, in einer Bearbeitung von Ingeborg Bachmann
Mit: Charlotte Weniger, Klaus Schwarzkopf, Hermann Schomberg, Paul Hoffmann u. a.
Hörspielbearbeitung: Ingeborg Bachmann
Regie: Oswald Döpke
(Produktion: RB/SDR 1959)
Robert Musil (1880–1942) geboren in Genf. Er schrieb Prosa, Theaterstücke und Essays. Der unvollendet gebliebene Roman »Der Mann ohne Eigenschaften« gilt als eines der Meisterwerke der literarischen Moderne.
© SWR 2, Hörspiel, 31.1.2018