Buchtipp: Axel Brüggemann schreibt gegen den Bedeutungsverlust der Klassik
Der Musikjournalist bringt im Buch „Die Zwei-Klassik-Gesellschaft“ Vorschläge zur Rettung der klassischen Musik. Von Christoph Irrgeher.
Keine Frage, die klassische Musik hat schon ruhmreichere Zeiten in der Öffentlichkeit erlebt. Zeiten, in denen ein Wiener Unternehmer seine Kaffeehauskette noch nach einer Oper benannte (Aida); als TV-Quizfragen mit dem Wort „Adagio“ im Satz noch nicht als unzumutbare Sphinx-Rätsel galten – und als autogrammfaule Klassikstars noch gut daran taten, auf der Straße SonneWnbrillen zu tragen. Zeiten, die vorbei sind.
Es ist nicht zu leugnen, dass die klassische Musik in der Gesellschaft an Boden verloren hat. Zwar bleibt die Wiener Staatsoper Auslastungskaiser der Bundestheater und wahren die Salzburger Festspiele ihre globale Strahlkraft, aber in den Schulen, im TV, im Wirtshaus, in der Politik: Wann geht es da um das honorige Genre?
© Der Standard, Kultur, 9.10.2023