Bevor ein Jahr lang alle über Beethoven reden, reden wir mit Víkingur Ólafsson über Bach. Der Pianist erklärt, wie man…
Der isländische Pianist Víkingur Ólafsson macht auf seiner Tournee an der Alten Oper in Frankfurt Station. Seine Goldberg-Variationen können mit Glenn Gould mithalten. Von Luca Vazgec.
Mit einer luziden, gedankenreichen, ja monumentalen Interpretation von Johann Sebastian Bachs Goldberg-Variationen – und nur mit ihnen, das ist schon ein Ausdruck pianistischen Selbstbewusstseins – hat er gestern in Frankfurt auf seiner Deutschland-, Europa- und Welttournee Station gemacht, die ihn von Schloss Elmau bis nach Sydney, Tokio und New York führen wird. 88 Konzerte wird er spielen, 88 Goldberg-Variationen, jeder Zyklus für sich, und noch einer obendrauf, denn er hat die Variationen auch jüngst bei der Deutschen Grammophon eingespielt.
Es ist die isländische Bewerbung auf den Bach-Thron, bisher eisern besetzt vom kanadischen Pianisten Glenn Gould. Dessen zwei Aufnahmen – die erste brillant, die zweite brillant schrullig – haben die eigentlich fürs Cembalo bestimmten Variationen für das moderne Klavier geöffnet und sind bis heute das Maß aller Goldberge.
© FAZ, Feuilleton, 11.10.2023
