Compilation „Gespensterland“ Unheimlich gruselt BRD-Noir
„Ich bleib heut lieber hier / Komm nicht mit zum Rave“, was sich wie eine Textzeile von Domiziana und anderen ZeitgenossInnen der bundesdeutschen TikTok-Szene liest, wird beim Duo Brannten Schnüre musikalisch im verstörend-leiernden Gewand der Goldenen Zwanziger und mit Varietésound serviert. Von Lars Fleischmann.
Der Sample von „Ich versäum’doch nichts“, einer anderthalbminütigen Preziose auf der Compilation „Gespensterland“, klingt vordergründig nach Heimatfilm, Wirtschaftswunder und Bubi Scholz – es ist aber Musik aus der Gegenwart. Diese Art der unheimlichen Geisterklänge hat seit einigen Jahren eine zunehmende Relevanz in einer Undergroundkultur gewonnen, die sich von den USA über England nach Kontinentaleuropa erstreckt, darüber in Deutschland – genauer in Unterfranken – eine höchsteigene Inkarnation erfuhr.
© TAZ, Kultur, 3.11.2023
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