Filmtipp: „Ein ganzes Leben“
Oder… Am richtigen Ort. Ein Interview mit dem Regisseur Hans Steinbichler über seine Romanadaption „Ein ganzes Leben“. „Diesen Film muss ich machen“, wusste Regisseur Hans Steinbichler sofort, als er den Roman „Ein ganzes Leben“ von Robert Seethaler gelesen hatte. Von Michael Ranze.
Und das nicht nur, weil er mit dem Schriftsteller seit langer Zeit „verbandelt“ ist. Sondern weil das Buch alles vereint, was sein eigenes Leben bestimmt hat. Der Film ist Steinbichlers Vater gewidmet, „der mir die Berge geschenkt hat“. Eine Annäherung an den Film und den Filmemacher.
Was hat Sie an dem Roman von Robert Seethaler so sehr gereizt, dass Sie es unbedingt verfilmen wollten?
Hans Steinbichler: Ich habe eine lange Geschichte mit Robert Seethaler. Nach meinem Debütfilm „Winterreise“ kam die Produzentin Gabriela Sperl mit einem Drehbuch auf mich zu: „Der Zierfisch“. Autor: Robert Seethaler. Er war ein Schauspieler, der sich selbst in einer Rolle gesehen hat. Ich fand das Drehbuch außergewöhnlich und habe es dann mit Matthias Brandt und Monika Bleibtreu als Kinofilm realisiert. Leider lief der Film nur in Frankreich. Er hieß „Die zweite Frau“, und der Roman, den Seethaler dann später daraus entwickelt hat, trug den Titel „Die weiteren Aussichten“. Das ist jetzt 15 Jahre her. Seitdem war ich mit Seethaler verbandelt. Als dann „Ein ganzes Leben“ erschien, war klar: Diesen Film muss ich machen. Ich sage bewusst „muss“. Denn „Ein ganzes Leben“ vereint alles, was mein Leben ausmacht. Mein Vater kommt aus einer bäuerlichen Familie am Rande der Alpen. Was Seethaler beschreibt, mit all den Auswüchsen, habe ich aus der Welt meines Vaters mitbekommen. Ich kannte auch das ganze Drumherum. Im Film gibt es daher am Ende eine Widmung an meinen Vater: „…der mir die Berge geschenkt hat“, heißt es dort. So ist es auch gemeint.
© Filmdienst, 6.11.2023