Zwei Flügel, eine Welt: Improvisiertes von Michael Wollny und Joachim Kühn
Mit „Duo“ legen Deutschlands renommierteste Jazzpianisten ein neues Zeugnis ihrer Freundschaft ab. Von Gregor Dotzauer.
Zwei Klaviere auf einer Bühne ergeben nicht immer ein Ganzes. Die verdoppelte Klangmacht verleitet mitunter auch zu halben Sachen. Die Herausforderungen im Miteinander und Gegeneinander zeigen sich schon daran, dass sich zumindest in der klassischen Musik fast nur Geschwister oder Eheleute an längerlebige Pianoduos wagen. Die Kunst, einander Raum zu geben, erfordert ein hohes Maß an gewachsener Eintracht – und womöglich die Lust, die Höllen der Familie auch musikalisch auszukosten.
Der Jazz, der weitaus mehr von spontanen Affekten lebt, kennt jedenfalls keine Paarung von internationalem Rang, die es als Working Duo zu Kontinuität gebracht hätte. Man trifft sich, wie einst Chick Corea und Herbie Hancock, zum Schaulaufen der Titanen oder lotst sich, wie Kenny Barron und Mulgrew Miller, freundlich lächelnd durch eine Handvoll Standards, nur um festzustellen, wie schwer es ist, sich dabei nicht ins Gehege zu kommen.
© Tagesspiegel, 9.2.2024