Sandra Hüller – Schauspielkunst ohne doppelten Boden
Was die Oscar-Kandidatin Sandra Hüller zur gegenwärtig vielleicht bedeutendsten Schauspielerin macht. Von Daniel Kothenschulte.
Kunst und Glamour liegen in der Schauspielerei nahe beieinander und sind manchmal doch die größten Gegensätze. Wer Sandra Hüller, die derzeit vielleicht am meisten bewunderte Schauspielerin der Welt, erleben möchte, kann am späten Sonntagabend die Oscar-Verleihung einschalten. Da, wo der Glamour zu Hause ist, ist sie gleich für zwei „beste Filme“ präsent: Nominiert als „beste Schauspielerin“ für „Anatomie eines Falls“, das Gerichtsdrama, das bereits die Goldene Palme in Cannes erhielt. Aber auch Jonathan Glazers Auschwitz-Drama „The Zone of Interest“, ebenfalls im Rennen als „bester Film“, wäre nichts ohne Hüllers beklemmende Verkörperung von Hedwig Höß, der Ehefrau des Lagerleiters.
© Frankfurter Rundschau, Kultur, Kino, 6.3.2024