„Weil’s wahr ist“ Werner Herzog denkt über den Begriff „Wahrheit“ nach
Der deutsche Regisseur erkundet in seinem Buch „Die Zukunft der Wahrheit“ ein meist so wie die „Unschuldsvermutung“ missbrauchtes mythisches Wort. Von Christian Schachinger.
Wenn man es laut einer Redensart mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, bedeutet das nicht gleich, dass man lügt. Neben der Frage der Perspektive, entwicklungspsychologisch bedingten verschiedenen Wahrnehmungen der beteiligten Personen und Kulturkreise und einem gewissen Hochmut, der bekanntlich bis zum Realitätsverlust führen kann, geht es ja nicht unbedingt darum, Wahrheiten zu finden.
Laut Werner Herzog geht es darum: „Wahrheit scheint mir eher als eine immerwährende Bemühung, sich ihr anzunähern. Als Bewegung auf sie zu, als ungewisse Reise, als Suche voll Mühe und Vergeblichkeit. Aber diese Fahrt ins Ungewisse gibt uns Sinn und Würde, sie ist es, die uns von den Kühen auf der Weide unterscheidet.“
© Der Standard, Kultur, Literatur, 6.3.2024