Christfried Schmidt gestorben „Jenseits vom Geschwätz“
Von Gerald Felber (FAZ). Er schrieb eine Musik, die dringlich mit den Hörern reden will und es oft nicht durfte. In der DDR wie im vereinten Deutschland wurde Christfried Schmidt vom Betrieb geschnitten. Dabei schuf er ein bedeutendes Gesamtwerk. Jetzt ist er gestorben.
Ein Hineinwühler von rigoroser, auch gegen sich selbst rücksichtsloser Entschlossenheit: Wenn man an die Kunst und Person Christfried Schmidts denkt, der am Dienstag im Alter von 92 Jahren gestorben ist, dann fällt denen, die ihn näher kannten, zuerst ein, mit welcher Kompromisslosigkeit er tat, was er für richtig und geboten hielt – in seinen Noten nicht weniger als in den wildglühenden Bildern, die er einige Jahre malte, und ebenso in der Art seiner Kommunikation. Die Kehrseite solcher Geradheit war seine schlichte Unfähigkeit zu jener opportunistisch nutzwertorientierten Netzwerkerei, die davon ausgeht, dass jede Leistung von oder für jemanden über kurz oder lang auch zu einer Gegenleistung zu führen habe.
© FAZ, Feuilleton, 29.4.2025